Battlefield 6: DICE räumt Fahrzeug-Probleme ein und kündigt dedizierten Labs-Test an
Fahrzeuge in Battlefield 6 gelten als „Todesfallen" – DICE reagiert mit geplantem Labs-Test
Seit dem Launch im Oktober 2025 begleitet Battlefield 6 ein hartnäckiges Balance-Problem: Fahrzeuge sterben zu schnell. DICE hat sich nun in einem Interview erstmals konkret dazu geäußert und einen dedizierten Battlefield-Labs-Test für Fahrzeug-Verbesserungen angekündigt.
Das Thema reiht sich nahtlos in die wachsende Liste offener Baustellen ein, die BF6 seit Monaten begleiten.
Kurz & Knapp
- DICE bestätigt offiziell, dass Fahrzeuge in BF6 derzeit als „Todesfallen" gelten
- Ein eigener Battlefield-Labs-Test soll in Kürze ein ganzes Paket an Vehicle-Verbesserungen testen
- Besonders betroffen: der LGT-Jeep, den die meisten Spieler komplett ignorieren
- Auch Panzer und gepanzerte Fahrzeuge gehen laut Community viel zu schnell unter
- Konkreter Zeitplan und genaue Änderungen stehen noch aus
- Die Problematik hängt eng mit der RPG-Balance und dem Mapdesign zusammen
DICE-Producer bestätigt: „Wir haben das Feedback gehört"
Das Statement von Kit Eklöf
Im Rahmen eines Interviews zu Season 2 stellte DICE Hardware-Producer Kit Eklöf klar, dass das Fahrzeug-Feedback nicht nur angekommen sei, sondern bereits aktiv in die Planung einfließe. Eklöf kündigte an, die Rückmeldungen zu leichten Fahrzeugen direkt ans Team weiterzutragen. Gleichzeitig verwies er auf einen kommenden Labs-Test, der sich gezielt um Fahrzeug-Verbesserungen drehen soll – und zwar explizit als Reaktion auf die Community-Kritik.
Battlefield Labs dient seit jeher als Testumgebung, in der DICE größere Änderungen unter realen Bedingungen erproben kann, bevor sie ins Hauptspiel wandern. Dass nun ein eigenständiger Test allein für das Vehicle-Balancing geplant wird, spricht für den Stellenwert, den das Problem intern offenbar erreicht hat.
Der LGT-Jeep: Ein Fahrzeug, das niemand fahren will
Bild: LGT Jeep
Von der Transportlösung zum Meme
Das Sinnbild der Fahrzeug-Misere in Battlefield 6 ist der LGT (Light Ground Transport). Vier Sitzplätze, ein MG-Schützenplatz, keinerlei Panzerung – wer einsteigt, liefert dem gegnerischen Team quasi fünf Gratis-Kills auf Rädern. Die Realität auf den Servern sieht entsprechend aus: Ganze Flotten ungenutzter Jeeps stehen an Spawnpunkten, während Squads lieber zu Fuß über die Map laufen.
Wie grotesk die Situation tatsächlich ist, zeigte Ende November 2025 ein Reddit-Nutzer namens Renegade_Soviet. Er erreichte als einer der wenigen Spieler überhaupt Rang 50 mit dem LGT – und sein Fazit fiel vernichtend aus. Das Fahrzeug funktioniere paradoxerweise nur dann, wenn man es nicht bewege. Seine Strategie: stationär parken, das MG nutzen, jedes Mal das Squad wechseln, sobald ein Mitspieler den Jeep in Bewegung setzte. Selbst ein simpler Schutzschild am MG-Platz würde das Fahrzeug laut Renegade bereits massiv aufwerten.
Bild: Traverser Mk2
Seit Season 1 existiert mit dem Traverser Mk2 zwar ein gepanzerter Truppentransporter mit Selbstreparatur, drei Waffenplätzen und spürbarer Panzerung. Allerdings steht dieser bislang nur auf zwei Maps zur Verfügung – was das LGT-Problem auf allen anderen Karten vollkommen unberührt lässt.
Nicht nur der Jeep: Panzer aus Pappe
Warum auch schwere Fahrzeuge zu schnell sterben
Die Kritik beschränkt sich keineswegs auf leichte Transportfahrzeuge. Auch Main Battle Tanks (MBTs) und Schützenpanzer haben mit drastisch verkürzten Überlebenszeiten zu kämpfen. Die Ursachen dafür sind mehrschichtig:
Die RPG-Problematik: Die Standardrakete der Engineer-Klasse gilt in der Community als deutlich zu präzise. Auf Distanzen von über 100 Metern fahrende Panzer zu treffen, erfordert kaum Übung – ein Umstand, der spezialisierte Panzerabwehrwaffen wie die Javelin praktisch überflüssig macht. Bereits beim Panzer-Balance-Update 1.1.3.5 zeigte sich, dass DICE an der Vehicle-Schraube dreht – aber offenbar nicht weit genug. Die RPG erledigt nach wie vor alles – Panzer, Helikopter, Infanterie – und braucht dafür kaum Skill.
Der Klassendesign-Faktor: Die SMG-tragende Klasse, die gleichzeitig Zugang zu Raketenträgern hat, gehört zu den meistgespielten Klassen in BF6. Das Resultat: In einem durchschnittlichen 64-Spieler-Match tragen erheblich mehr Spieler Panzerabwehr als in früheren Battlefield-Teilen. Ein einzelner Panzer sieht sich regelmäßig einem halben Dutzend RPGs gleichzeitig gegenüber.
Hitbox-Fehler: Zusätzlich berichten Spieler von fehlerhaften Trefferzonen. Treffer auf den MG-Schützenplatz verursachen laut Community-Berichten teils über 700 Schadenspunkte am Fahrzeug selbst – unabhängig von der Angriffsrichtung. Ein Bug, der die ohnehin fragile Überlebensfähigkeit weiter untergräbt.
Die tiefere Frage: Liegt es nur an den Fahrzeugen?
Mapdesign und Gadget-Balance als Wurzel des Problems
Ein Teil der Community vertritt die Ansicht, dass nicht die Fahrzeuge selbst zu schwach, sondern die Rahmenbedingungen falsch kalibriert sind. Im EA-Forum und auf Steam finden sich zahlreiche Beiträge, die das Mapdesign als eigentlichen Auslöser identifizieren. Die Launch-Maps von Battlefield 6 fallen mehrheitlich kompakt aus – deutlich kleiner als klassische Battlefield-Karten früherer Teile.
Auf engen Karten konzentriert sich das Geschehen zwangsläufig. Fahrzeuge können kaum Abstand halten, Flankenrouten fehlen, und Raketenwerfer treffen aus praktisch jeder Position. Größere Maps mit mehr Deckungsmöglichkeiten und breiteren Sichtlinien würden die Fahrzeug-Balance möglicherweise schon allein durch das Leveldesign verbessern – ohne einen einzigen Zahlenwert anzufassen.
DICE hat parallel bereits bestätigt, dass größere Maps Priorität haben, deren Entwicklung aber entsprechend lange dauert. Ob der angekündigte Labs-Test auch Anpassungen an der Raketenbalance oder am Gadget-System vorsieht, bleibt abzuwarten. Im Januar-Community-Update deutete EA bereits Tests an RPGs, TOW-Werfern und dem Fahrverhalten unter Raketenbeschuss an – Themen, die nahtlos an die aktuelle Fahrzeug-Diskussion anschließen.
Was beim Labs-Test auf dem Spiel steht
Combined Arms als Identitätskern von Battlefield
Fahrzeuge in Battlefield waren nie bloßes Beiwerk. Das Zusammenspiel aus Infanterie, Boden- und Luftfahrzeugen – Combined Arms – definiert die Franchise seit Battlefield 1942. Wenn Panzer nach wenigen Sekunden zerfallen und Transportfahrzeuge gemieden werden wie der sprichwörtliche Lavafluss, bricht ein zentraler Pfeiler des Gameplays weg.
In früheren Titeln wie Battlefield 2 oder Battlefield 4 erzeugte allein das Erscheinen eines Panzers auf dem Schlachtfeld taktischen Druck. Squads mussten koordinieren, Rollen wechseln, Konterstrategien entwickeln. In Battlefield 6 reicht derzeit ein einzelner Engineer mit einer RPG aus beliebiger Richtung, um diese Dynamik zu neutralisieren. Der taktische Mehrwert von Fahrzeugen ist damit de facto ausgehebelt.
Ob DICE mit dem Labs-Test tatsächlich die Ursachen angeht oder lediglich an Schadenswerten dreht, wird über die Zukunft des Vehicle-Gameplays entscheiden. Ein reiner HP-Buff für den Jeep löst das strukturelle Problem nicht – aber er wäre ein Anfang.
Zwischen Hoffnung und Ernüchterung
Season 2 und die wachsende Baustellen-Liste
Der Labs-Test für Fahrzeuge reiht sich in eine mittlerweile beachtliche Liste offener Baustellen ein. Season 2, die am 17. Februar mit dem „Extreme Measures"-Update startete, brachte zwar eine neue Map und frische Inhalte, konnte den Abwärtstrend bei den Spielerzahlen aber bislang nicht stoppen. Wie BFcom in einer Analyse der Steam-Daten dokumentiert hat, verpuffte der Season-2-Boost nach nur 24 Stunden – der Peak lag bei knapp 98.000 Spielern, bevor die Zahlen auf Vor-Season-Niveau zurückfielen.
Neben der Fahrzeug-Balance kämpft BF6 gleichzeitig mit der Forderung nach größeren Maps, Problemen im Portal-Serverbrowser und einer Progression, die viele als zu langsam empfinden. Dass DICE mit dem Labs-Ansatz transparent testet, statt Änderungen hinter verschlossenen Türen vorzubereiten, verdient Anerkennung. Ob das Tempo allerdings ausreicht, um die Community bei der Stange zu halten, steht auf einem anderen Blatt.
Ein konkretes Datum für den Fahrzeug-Labs-Test gibt es noch nicht. Eklöfs Formulierung – „sehr bald" – lässt auf die kommenden Wochen hoffen. Bis dahin bleibt Battlefield-6-Spielern nur eine bewährte Überlebensstrategie: den LGT stehen lassen und laufen.