Es ist der 1. Februar 2026, und wenn du vorgestern dein Portfolio gecheckt hast, dürftest du kurz Schnappatmung bekommen haben. Der Grund für den roten Freitag an der Börse ist nicht etwa eine globale Rezession oder ein neuer Chip-Mangel, sondern ein Stück Software aus Mountain View. Google hat "Project Genie" von der Leine gelassen – und damit (mal wieder) eine kleine Apokalypse in der Tech-Welt ausgelöst.
Investoren sehen in der KI, die auf Befehl ganze 3D-Welten erschafft, das Ende der klassischen Spieleentwicklung. Gamer sehen eher "Brainrot" und Copyright-Albträume. Und Nintendo? Die sehen rot. Aber der Reihe nach.
Tech-Briefing: Was ist Project Genie?
Specs & Fakten:
- Core-Technologie: Genie 3 (World Model) + Nano Banana (Visual Assets/Textures).
- Funktion: Generiert interaktive 3D-Umgebungen aus Text-Prompts oder Bildern in Echtzeit.
- Leistung: Läuft aktuell mit ca. 24 fps bei 720p Auflösung (Upscaling via DLSS/FSR möglich, aber nativ eher "Retro").
- Limitierung: Keine echte Game-Logic, Kollision ist "halluziniert", Session-Dauer oft auf 60 Sekunden begrenzt.
- Zugang: Derzeit nur für Google AI Ultra Subscriber (US-only, 18+).
Der Börsen-Crash: Panik im Anzug
Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Ein experimenteller Prototyp, der kaum mehr kann als einen "Walking Simulator" zu generieren, hat am Freitag Milliarden an Börsenwert vernichtet.
Bild: Unity Software auf Talfahrt
Unity Software hat es am härtesten getroffen – minus 21 %. Die Logik der Anleger ist simpel (und vielleicht zu simpel und zu kurzsichtig): Wenn eine KI Welten bauen kann, wozu brauchen wir dann noch Game Engines und teure Lizenzen?
Bild: Auch bei den Machern von GTA gings am Freitag ans Eingemachte.
Auch Take-Two Interactive (GTA) verlor fast 10 %, Roblox knapp 9 %.
Der Markt reagiert hier auf ein Narrativ, das so alt ist wie der Hype um Generative AI selbst: Die Idee, dass wir bald keine Entwickler mehr brauchen, sondern nur noch "Prompt Engineers".
Dass Genie 3 aktuell noch Welten baut, in denen man durch Wände fällt oder Treppen ins Nichts führen, scheint in den Vorstandsetagen niemanden zu interessieren.
Unter der Haube: Wie Genie 3 trickst
Technisch gesehen ist Genie 3 nämlich gar keine "Game Engine" im klassischen Sinne. Es rendert keine Polygone und berechnet keine Vektoren.
Stattdessen ist es ein World Model. Vereinfacht gesagt: Es träumt das Spiel. Basierend auf dem aktuellen Frame und deinem Input (Joystick nach vorne) "rät" das Modell, wie das nächste Bild aussehen müsste. Es ist im Grunde ein extrem leistungsfähiger Video-Generator, der schnell genug ist, um auf Eingaben zu reagieren.
Unterstützt wird das Ganze von Nano Banana, Googles neuem Bildmodell, das für die Texturen und die visuelle Konsistenz sorgt. Das Problem dabei: Da keine echte Physik-Engine dahintersteckt, ist die Konsistenz fragil. Dreh dich zu schnell um, und der Berg hinter dir ist plötzlich ein See. Es ist beeindruckend, ja. Aber es ist (noch) kein Ersatz für eine Unreal Engine 6.
Nintendo zückt den Ban-Hammer
Was passiert, wenn man Usern ein Tool gibt, mit dem sie alles erstellen können? Richtig, sie bauen Breath of the Wild nach.
Min Choi, ein früher Tester, zeigte auf X (ehemals Twitter), wie er Link durch eine Hyrule-ähnliche Steppe steuerte – generiert von Genie 3. Nintendo fand das weniger lustig. Die Takedowns (X) kamen schneller als ein Blue Shell in Mario Kart. Auch Take-Two ist bereits aktiv, da natürlich sofort GTA-Klone aus dem Boden sprossen.
Hier steuern wir auf ein massives juristisches Minenfeld zu. Wenn die KI weiß, wie Hyrule aussieht, hat sie dann auf urheberrechtlich geschütztem Material trainiert? Google nennt es "Fair Use" und "Forschung". Die Anwälte von Nintendo nennen es vermutlich "Beute".
Gamer-Perspektive: "Slop" oder Revolution?
Die Reaktionen aus der Community sind... gespalten. Während Tech-Influencer von "Embodied AGI" schwärmen, fürchten viele Gamer eine Flut von minderwertigem Content. Der Begriff "Slop" (Matsch) macht die Runde – generische, seelenlose Welten, die nur existieren, um User-Engagement zu melken.
Bild: AI Slop in CoD:BO7 (und auch in Battlefield 6)
Ein User brachte es auf den Punkt: "Ich kann es kaum erwarten, Brainrot-Games zu machen!"
Und genau das ist die Gefahr. Wenn die Erstellung von Content nichts mehr kostet, wird der Wert von kuratiertem, handgemachtem Level-Design entweder gegen Null gehen – oder, und das ist die Hoffnung, erst recht wertgeschätzt werden.
Tja. Wir haben Genie 3 jetzt vor GTA 6 bekommen. Ob das ein guter Tausch war, darf bezweifelt werden.
Quellen: X, tradingview, nano banano