Kurz & Knapp
- 29% der Entwickler nutzen laut Game Developer Collective aktuell generative KI – ein Rückgang von 36% im Vorjahr
- 52% der Branche sehen KI mittlerweile negativ – ein Anstieg von 30% (2025) und 18% (2024)
- Nur noch 7% glauben an positive Auswirkungen – im Vorjahr waren es 13%, davor 20%
- Artists und Designer sind am kritischsten: 64% der Visual Artists und 63% der Narrative Designer lehnen KI ab
- Die Kluft zwischen Management und Entwicklern wächst: 19% der Executives sehen KI positiv, bei den Kreativen sind es unter 10%
Der kurze KI-Frühling in der Spielebranche ist vorbei
Was viele nicht kommen sahen: Die Nutzung generativer KI unter Spieleentwicklern ist rückläufig. Nach Daten des Game Developer Collective – einer gemeinsamen Erhebung von Game Developer und Omdia – gaben im ersten Halbjahr 2026 nur noch 29% der befragten Entwickler an, generative KI-Tools zu verwenden. Im selben Zeitraum 2025 waren es noch 36%.
Das klingt zunächst nach einem kleinen Rückgang, aber die Entwicklung dahinter ist aufschlussreich: Von der zweiten Jahreshälfte 2024 bis Anfang 2025 stieg die KI-Nutzung um 12 Prozentpunkte – von 24% auf 36%. Dieser Anstieg hat sich nicht nur nicht fortgesetzt, sondern um 7 Prozentpunkte umgekehrt.
Die Zahlen legen nahe, dass die initiale Neugier vieler Entwickler einer kritischeren Haltung gewichen ist. Wer KI ausprobiert hat, nutzt sie offenbar seltener weiter als erwartet.
Die Stimmung kippt – und zwar deutlich
Parallel zum Nutzungsrückgang verschlechtern sich die Umfragewerte für generative KI rapide. Im aktuellen GDC State of the Game Industry Report 2026, der über 2.300 Branchenprofis befragte, gaben 52% der Teilnehmer an, dass generative KI einen negativen Einfluss auf die Spielebranche hat.
Zum Vergleich:
- 2024: 18% sahen KI negativ
- 2025: 30%
- 2026: 52%
Die Zahl derjenigen, die KI positiv bewerten, ist im selben Zeitraum von 20% (2024) über 13% (2025) auf nur noch 7% gefallen.
„KI ist Diebstahl. Aber ich muss sie nutzen, sonst werde ich gefeuert." – Entwickler aus der Ukraine, GDC-Umfrage 2026
Dieser Kommentar fasst ein Dilemma zusammen, das viele in der Branche erleben: Selbst diejenigen, die KI kritisch sehen, fühlen sich gezwungen, sie zu nutzen – aus Angst vor dem Jobverlust.
Wer nutzt KI? Wer lehnt sie ab?
Die GDC-Daten offenbaren eine klare Spaltung innerhalb der Branche:
| Berufsgruppe | Negative Haltung zu KI |
|---|---|
| Visual & Technical Artists | 64% |
| Game Design & Narrative | 63% |
| Game Programming | 59% |
| QA & Community Support | Hohe Ablehnung (kleine Stichprobe) |
| Executives & Management | Nur ca. 19% negativ |
Die Kluft ist offensichtlich: Je näher jemand am kreativen Kern der Spieleentwicklung arbeitet, desto kritischer die Haltung. Executives und Business-Verantwortliche sehen KI deutlich positiver – sie nutzen sie auch häufiger (47% im Management vs. 29% bei regulären Entwicklern).
Interessant dabei: Ältere Entwickler (46% Nutzung) setzen KI häufiger ein als jüngere (34%). Möglicherweise fällt es erfahreneren Entwicklern leichter, KI als Werkzeug zu integrieren, ohne ihre Kernkompetenz bedroht zu sehen.
Wofür wird KI überhaupt genutzt?
Die Einsatzgebiete sind weniger spektakulär, als der Hype vermuten liesse:
- 81% nutzen KI für Recherche und Brainstorming – quasi als aufgeblasene Suchmaschine
- 47% für alltägliche Aufgaben wie E-Mail-Schreiben oder Code-Assistenz
- Nur 19% für Asset-Generierung
- Nur 10% für prozedurale Generierung
- Nur 5% für spielerseitige Features
Die Realität: KI dient aktuell überwiegend als Produktivitäts-Layer, nicht als Kreativ-Tool. Die grossen Versprechungen – dass KI komplette Spielwelten, Charaktere oder Quests generiert – bleiben bislang Marketing.
ChatGPT dominiert als meistgenutztes Tool, gefolgt von Google Gemini. Bei Bild-Tools führt Midjourney (17%) vor Adobe Generative Fill (13%).
Warum der Stimmungswandel?
Mehrere Faktoren spielen zusammen:
1. Die Qualitätsfrage bleibt unbeantwortet Laut Game Developer Collective glauben 47% der Entwickler, dass KI die Qualität von Spielen verschlechtern wird. Diese Zahl blieb seit 2025 stabil – das Vertrauen in KI-generierte Inhalte wächst nicht.
2. Die Kostenfrage wird kritischer gesehen Noch 2025 glaubten 27% der Befragten, dass KI die Entwicklungskosten senken würde. 2026 sind es nur noch 21%. Gleichzeitig stieg der Anteil derer, die höhere Kosten durch KI erwarten, um 8 Prozentpunkte.
3. Urheberrechtliche Grauzonen Die Frage, ob KI-Modelle auf urheberrechtlich geschütztem Material trainiert wurden, bleibt ungeklärt. Für Studios, die rechtliche Risiken minimieren wollen, ist das ein Problem.
4. Jobverluste und Entlassungswellen 28% der GDC-Befragten wurden in den letzten zwei Jahren entlassen. Bei AAA-Studios berichteten zwei Drittel von Kündigungen im eigenen Unternehmen. KI wird – berechtigt oder nicht – mit diesen Entlassungen assoziiert.
Die Zahlen variieren je nach Umfrage
Ein Blick auf andere Erhebungen zeigt, dass die Ergebnisse stark vom befragten Publikum abhängen:
| Quelle | KI-Nutzung | Anmerkung |
|---|---|---|
| Game Developer Collective (2026) | 29% | Rückgang von 36% |
| GDC State of the Industry (2026) | 36% | Nordamerika/Europa-lastig |
| CESA Japan (2025) | 51% | Japanische Entwickler |
| Google Cloud/Harris Poll (2025) | 87% | Deutlich breitere Definition von „AI Agents" |
Die Google-Studie mit 87% Nutzung ist ein Ausreisser, der durch eine weite Definition von „KI-Agenten" erklärt werden dürfte. Die japanischen Zahlen (51%) könnten auf kulturelle Unterschiede in der Technologieakzeptanz hindeuten.
Was bedeutet das für Gamer?
Kurzfristig: wahrscheinlich wenig. Die Spiele, die 2026 und 2027 erscheinen, wurden grösstenteils vor dem KI-Boom konzipiert.
Mittelfristig: Die Zurückhaltung der Entwickler könnte bedeuten, dass der befürchtete Qualitätseinbruch durch KI-generierte Inhalte ausbleibt – zumindest bei Studios, die ihre kreativen Teams ernst nehmen. Gleichzeitig werden wir weiter Einzelfälle sehen, in denen KI-Assets in Spielen auftauchen und für Kontroversen sorgen – wie zuletzt bei Anno 117 oder Black Ops 6.
Die eigentliche Frage ist eine andere: Wie lange können Studios den Druck der Investoren ignorieren, die KI als Kostensenkungsinstrument sehen? Die Kluft zwischen dem, was Executives wollen, und dem, was Entwickler für sinnvoll halten, wird nicht kleiner.
Ein nachdenklicher Kommentar
Game Designer und NYU-Professor Frank Lantz hat kürzlich analysiert, warum wir trotz des KI-Booms kaum neue Spieltypen gesehen haben, die die Technologie wirklich nutzen. Seine Beobachtung: KI ist gut darin, Bestehendes zu imitieren – aber schlecht darin, Neues zu erschaffen, das Spieler überrascht.
Das dürfte erklären, warum Entwickler an der kreativen Front skeptischer sind als ihre Chefs: Sie wissen, dass ein gutes Spiel mehr braucht als effiziente Content-Produktion.
Wie siehst du die Entwicklung? Würdest du ein Spiel spielen, von dem du weisst, dass grosse Teile KI-generiert sind?
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