Die Anpassung der "AI Disclosure"-Regeln beendet die Grauzone für Entwickler. Valve unterscheidet nun strikt zwischen Produktivitäts-Tools für den Code und Inhalten, die das eigentliche Spielerlebnis beeinflussen.
Die neuen Steam-Regeln im Überblick
- Keine Label-Pflicht für Dev-Tools: KI-gestützte Programmierung (z. B. Code-Vervollständigung) muss nicht mehr gemeldet werden.
- Asset-Transparenz: Grafiken, Audio-Dateien und Texte, die vorab per KI erstellt wurden, müssen in einer Infobox auf der Store-Seite beschrieben werden.
- Echtzeit-KI: Spiele, die Inhalte während des Spielens live generieren (z. B. dynamische Dialoge), unterliegen strengen Auflagen.
- Melde-System: Spieler können unangemessene oder rechtswidrige KI-Inhalte direkt über das Steam Overlay an Valve melden.
- Haftung: Entwickler sind verpflichtet, Schutzmechanismen (Guardrails) zu implementieren, um illegale KI-Outputs zu verhindern.
Trennung zwischen Handwerk und Ergebnis
Für Spieler bedeutet das neue Update vor allem eine verlässlichere Kennzeichnung. Bisher mussten Entwickler theoretisch jede Form von KI-Beteiligung angeben – selbst wenn die KI lediglich eine Zeile Code korrigiert hat. Valve stellt nun klar: "Effizienzsteigerungen durch KI-Entwickler-Tools sind nicht der Fokus."
Das sorgt dafür, dass die KI-Hinweise auf den Produktseiten nicht durch technische Details verwässert werden. Wenn du künftig ein KI-Label auf Steam siehst, bezieht sich dies primär auf das, was du siehst und hörst, nicht auf die Software-Architektur im Hintergrund.
Sichtbare KI-Inhalte bleiben deklarationspflichtig
Alle Inhalte, die Spieler direkt konsumieren ("Consumed by Players"), müssen weiterhin offengelegt werden. Das betrifft zwei Kernbereiche:
- Vorgefertigte Inhalte: Wenn Texturen, Dialoge oder Zwischensequenzen mit Tools wie Midjourney oder LLMs erstellt und so in das Spiel integriert wurden.
- Marketing-Material: Auch KI-generierte Artworks auf der Shopseite oder in Trailern müssen als solche erkennbar sein.
Entwickler nutzen hierfür ein Freitextfeld, in dem sie beschreiben, wie genau die KI eingesetzt wurde. Diese Information wird für dich direkt unter dem Abschnitt "Über dieses Spiel" sichtbar sein.
Wie notwendig diese regulatorischen Leitplanken in der Praxis sind, zeigt die aktuelle Debatte rund um Battlefield 6 und CoD:BO7. Dort sorgten mutmaßliche KI-Artworks für massive Kritik in der Community und werfen die Frage auf, wo die Grenze zwischen effizienter Asset-Produktion und Qualitätsverlust verläuft.
Live-KI und die Verantwortung der Community
Technisch kritischer sieht Valve die "Live-Inferenz" – also Inhalte, die erst während deines Durchlaufs generiert werden. Da diese Ergebnisse weder vom Entwickler noch von Valve vorab geprüft werden können, trägt das Studio ein hohes Risiko.
Warnung: Spiele, die Live-KI ohne ausreichende Filter (Guardrails) einsetzen, riskieren die sofortige Entfernung von der Plattform, falls sie illegale oder jugendgefährdende Inhalte produzieren.
Um die Moderation zu unterstützen, erweitert Valve das Steam Overlay. Solltest du auf einen KI-Output stoßen, der gegen Richtlinien verstößt oder Urheberrechte verletzt, kannst du diesen Vorfall direkt im laufenden Spiel melden. Valve delegiert damit einen Teil der Qualitätskontrolle an die Community, um der Unvorhersehbarkeit generativer Modelle Herr zu werden.