Kurz & Knapp
- Über 13.000 Spiele wurden bis Oktober 2025 bereits auf Steam veröffentlicht.
- Rund 40 % der Titel spielen nicht einmal die 100-Dollar-Einstellgebühr wieder ein.
- Nur 8 % aller Neuerscheinungen erreichen einen Bruttoumsatz von über 100.000 Dollar.
- Der Medianumsatz pro Spiel ist seit 2020 massiv von 634$ auf nur noch 249$ eingebrochen.
- Die durchschnittliche Spielzeit sank im selben Zeitraum spürbar auf 4,2 Stunden.
Ein Markt, der an seiner eigenen Masse erstickt
Wer heute durch die "Neuerscheinungen" auf Steam scrollt, merkt schnell: Die Übersicht ist längst verloren gegangen. Der Entwickler Artur Smiarowski hat basierend auf Daten von Gamalytic eine Analyse veröffentlicht, die vielen Hoffnungsträgern der Branche einen kalten Schauer über den Rücken jagen dürfte.
Die wichtigste Erkenntnis ist der dramatische Verfall des Medianumsatzes. Wenn die Hälfte aller Spiele weniger als 250 Dollar einnimmt, ist das Geschäftsmodell "Indie-Entwickler" für die breite Masse faktisch nicht mehr tragfähig.
Vergleich der Marktdaten: 2020 vs. 2025
| Metrik | Jahr 2020 | Jahr 2025 (bis Okt) | Trend |
|---|---|---|---|
| Veröffentlichte Spiele | 8.608 | 13.132 | +52 % |
| Medianumsatz | 634 $ | 249 $ | -60 % |
| Durchschnittliche Spielzeit | 5,7 h | 4,2 h | -26 % |
| Top 5 % Umsatz (Schnitt) | 621k $ | 301k $ | -51 % |
Das Problem mit der 100-Dollar-Hürde
Valve verlangt für jedes Spiel eine Bereitstellungsgebühr von 100 Dollar. Eigentlich eine niedrige Schwelle, doch für 40 % der diesjährigen Entwickler ist sie bereits zu hoch. Da diese Gebühr erst ab einem Umsatz von 1.000 Dollar zurückerstattet wird, zahlen tausende Entwickler effektiv drauf, um ihr Werk überhaupt auf der Plattform zu sehen.
Es ist ein deutliches Zeichen für eine Marktsättigung, bei der Qualität allein nicht mehr ausreicht, um aus dem Grundrauschen von täglich über 40 neuen Titeln hervorzustechen.
Warum die Spielzeit sinkt: Ein Kampf um jede Minute
Ein weiterer interessanter Aspekt der Daten ist der Rückgang der durchschnittlichen Spielzeit von 5,7 Stunden (2020) auf 4,2 Stunden (2025). Dies lässt mehrere Schlüsse zu:
- Überangebot: Du hast als Spieler schlicht so viel Auswahl, dass die Abbruchschwelle bei kleinsten Frustmomenten extrem niedrig liegt.
- Qualitätsgefälle: Ein Teil der 13.000 Spiele besteht aus Asset-Flips oder KI-generierten Inhalten, die kaum über eine Stunde Spielspaß hinauskommen.
- Backlog-Druck: Der ständig wachsende Berg an ungespielten Titeln führt zu einem "Sampling-Verhalten", bei dem Spiele nur noch kurz angespielt werden.
Sichtbarkeit ist die neue harte Währung
Früher konntest du dich darauf verlassen, dass der Steam-Algorithmus ein gutes Spiel früher oder später findet und den richtigen Leuten zeigt. Heute ist dieser Mechanismus durch die schiere Flut überfordert. Wer kein Budget für Marketing hat oder keine bestehende Community mitbringt, geht fast zwangsläufig unter. Die Top 8 %, die über 100.000 Dollar einspielen, sind mittlerweile ein elitärer Kreis, der oft schon Monate vor Release massives Wunschlisten-Wachstum generiert hat.
Die Professionalisierung der Indie-Szene
Für dich als Spieler bedeutet das zwar eine theoretisch endlose Auswahl, aber auch ein höheres Risiko, bei Spontankäufen an qualitativ minderwertige Titel zu geraten. Die Daten legen nahe, dass wir uns in einer Phase befinden, in der sich die Spreu immer härter vom Weizen trennt.
Entwickler müssen heute nicht mehr nur gute Spiele bauen, sondern gleichzeitig Experten für Community-Management und Datenanalyse sein, um nicht in der Bedeutungslosigkeit der unteren 40 % zu verschwinden.