Digitale Eigentumsrechte: Über 1,2 Millionen Europäer fordern ein Ende der Wegwerf-Software
Die Organisatoren der Kampagne „Stop Killing Games“ haben die offiziellen Ergebnisse der europäischen Bürgerinitiative (EBI) vorgelegt. Von den ursprünglich knapp 1,5 Millionen eingereichten Unterschriften hat die Europäische Union 1.294.188 als gültig verifiziert.
Damit liegt die Initiative deutlich über der erforderlichen Millionen-Grenze, die eine formale Behandlung durch die EU-Kommission und das Europäische Parlament erzwingt.
Kurz & Knapp
- Meilenstein erreicht: 1.294.188 verifizierte Unterschriften sichern den Erfolg der EU-Bürgerinitiative.
- Deutsche Beteiligung: Mit 233.180 Stimmen stellt Deutschland das größte Kontingent der Bewegung.
- Hohe Validität: Die Fehlerquote der Unterschriften liegt bei nur 10 %, was auf eine außergewöhnlich saubere Mobilisierung hindeutet.
- Fallbeispiel Anthem: Die Kampagne nutzt die Abschaltung des BioWare-Shooters, um Rückerstattungsansprüche in Deutschland und Frankreich zu prüfen.
- Politischer Druck: Neben der EU befasst sich auch das britische Parlament mit gesetzlichen Regelungen zur Software-Erhaltung.
Deutschland als Motor der Initiative
Der Blick auf die länderspezifische Auswertung offenbart eine massive Unterstützung aus dem deutschsprachigen Raum. Mit 233.180 bestätigten Unterschriften führt Deutschland die Liste an, gefolgt von Frankreich (145.000) und Polen (144.000). Diese Zahlen verdeutlichen, dass das Bewusstsein für digitale Besitzrechte gerade in Märkten mit traditionell starker PC- und Shooter-Kultur besonders ausgeprägt ist.
Moritz Katzner, einer der Koordinatoren der Kampagne, hob in einem aktuellen Reddit-Posting die Qualität der Mobilisierung hervor. Eine Ausfallrate von lediglich 10 % bei der Verifizierung ist innerhalb der EU-Bürokratie ein Spitzenwert. Üblicherweise kämpfen Petitionen mit Quoten von bis zu 25 % ungültigen Stimmen.
Diese geringe Fehlerquote entzieht Kritikern das Argument, es handle sich lediglich um eine durch Bots oder Desinformation aufgeblähte Bewegung. Du siehst hier ein klares Mandat der europäischen Gaming-Community, das über bloßes „Review Bombing“ hinausgeht.
Die Anthem-Offensive: Von der Petition zur Praxis
Während die politischen Mühlen in Brüssel langsam mahlen, fokussiert sich „Stop Killing Games“ auf ein aktuelles Trümmerfeld der Gaming-Geschichte: Anthem. Die Abschaltung der Server des BioWare-Exoshooters Anthem dient nun als Präzedenzfall. Die Organisatoren haben spezifische Anleitungen veröffentlicht, wie Du als Besitzer in Deutschland den Vorfall bei der Verbraucherzentrale melden kannst.
„Wir wollen zeigen, dass das Abschalten eines gekauften Produkts ohne Bereitstellung eines Offline-Modus oder privater Server-Software nicht einfach hingenommen wird.“ – Moritz Katzner, Stop Killing Games
Das Ziel dieser Aktion (reddit) ist es, Rückerstattungen für ein Spiel zu erzwingen, das durch die Entscheidung des Publishers EA unbrauchbar wurde. Sollten diese Meldungen bei den Verbraucherschutzverbänden eine kritische Masse erreichen, könnten kollektive rechtliche Schritte die Folge sein.
Dies würde einen massiven finanziellen Risikofaktor für Publisher bedeuten, die ihre „Live-Service“-Titel als temporäre Leihgabe betrachten, ohne dies beim Kauf transparent zu kommunizieren.
| Land | Verifizierte Stimmen | Quorum erreicht? | Unterstützung (in % des Quorums) |
|---|---|---|---|
| Deutschland | 233.180 | Ja | 344,5 % |
| Frankreich | 145.289 | Ja | 260,9 % |
| Polen | 143.826 | Ja | 392,3 % |
| Spanien | 121.616 | Ja | 292,4 % |
| Niederlande | 90.413 | Ja | 442,2 % |
Zwischen Lobbyismus und Gesetzgebung
Die nächsten Schritte führen das Team hinter der Kampagne direkt in die Sitzungssäle der EU-Kommission. Hier wird sich zeigen, wie widerstandsfähig die Argumente der Gaming-Industrie sind. Publisher-Verbände werden zweifellos anführen, dass die dauerhafte Bereitstellung von Servern oder das Patchen von Offline-Modi unverhältnismäßige Kosten verursacht. Doch die schiere Anzahl der Unterschriften macht es für Politiker schwer, das Thema als Nischenproblem abzutun.
Du bist hier Zeuge einer Entwicklung, die das Geschäftsmodell von Online-Only-Titeln fundamental verändern wird. Wenn Publisher in Zukunft damit rechnen müssen, bei einer Serverabschaltung den Kaufpreis erstatten zu müssen, wird die Option eines Offline-Patches plötzlich zur wirtschaftlich attraktiveren Lösung.