Zwischen technischer Brillanz und purem Masochismus
Während große Hardware-Hersteller händeringend nach Wegen suchen, dich noch tiefer in virtuelle Welten zu ziehen, wählt der Bastler hinter dem Bilibili-Kanal „blyat“ die Brechstange. Sein aktuelles Projekt verwandelt einen herkömmlichen Shooter in eine physische Belastungsprobe, die Fehler nicht mit einem simplen „Game Over“ bestraft, sondern mit handfesten Schmerzen.
Sobald dich ein Gegner im Spiel unter Beschuss nimmt, reagiert das Rig in der echten Welt: Rund um den Monitor montierte Feuerwerksrampen feuern Raketen in deine Richtung, während eine mechanische Vorrichtung den Rückstoß deiner eigenen Waffe simuliert.
Kurz & Knapp
- Echte Pyrotechnik: Um den Monitor montierte Werfer feuern bei Treffern Feuerwerkskörper auf den Spieler.
- Schmerz-Feedback: Gezielte Elektroschocks simulieren Treffer an exakt den Körperstellen, die im Spiel getroffen wurden.
- Wetter-Simulation: Wasserfontänen und Windmaschinen bilden In-Game-Stürme im Wohnzimmer nach.
- Technische Umsetzung: Die Steuerung erfolgt höchstwahrscheinlich über eine Echtzeit-Bildanalyse der Bildschirmausgabe.
- Bekannter Entwickler: Der Schöpfer ist in der Szene bereits für voll funktionsfähige Panzer-Simulatoren berüchtigt.
Warum ein Headshot jetzt richtig wehtut
Die technische Faszination hinter diesem Wahnsinn liegt in der Präzision der Bestrafung. Es reicht dem Entwickler nicht, dich einfach nur unter Strom zu setzen; das Rig erkennt, wo du getroffen wurdest. Erwischt dich eine Kugel am Arm, zuckt auch dein realer Arm unter einem elektrischen Impuls zusammen. Geht die Spielfigur zu Boden, katapultiert dich die kombinierte Ladung der Elektroden fast vom Stuhl.
Wie das technisch funktioniert? Da kaum ein kommerzieller Shooter eine Schnittstelle für „physische Züchtigung“ anbietet, dürfte hier eine KI-gestützte Bilderkennung im Hintergrund laufen. Diese scannt den Screen nach Hit-Markern oder Veränderungen am Gesundheitsbalken und gibt die Befehle an Mikrocontroller weiter.
Das ist clever gelöst, führt aber zu einer Latenz, die in einem hitzigen Match dein kleinstes Problem sein dürfte – verglichen mit der Tatsache, dass gerade ein Feuerwerkskörper in deiner Nähe explodiert ist.
Wenn die Windmaschine dein Setup zerlegt
Neben dem Beschuss hat der Ingenieur auch ein dynamisches Wettersystem integriert. In einer Sequenz siehst du den Spieler mitten in einem virtuellen Unwetter, während er in der Realität von Wasserwerfern geduscht wird. Dass die Hardware dieser Belastung nicht immer gewachsen ist, zeigt ein herrlich ehrlicher Moment im Video: Die Windmaschine gibt unter der eigenen Last auf und zerfällt in ihre Einzelteile. Das unterstreicht den experimentellen Charakter dieses Setups, bei dem Sicherheit offensichtlich erst ganz weit hinten im Lastenheft auftaucht.
Man muss sich die Frage stellen, wo die Grenze zwischen Immersion und Selbstgeißelung verläuft. Wer zieht sich schon freiwillig einen feuerfesten Anzug und einen Vollvisierhelm an, nur um eine Runde Battlefield zu spielen? Der Bastler „blyat“ ist jedoch kein Unbekannter in diesen Extremen.
Er hat bereits einen kompletten Panzer-Simulator für World of Tanks gebaut, der mit drei Personen besetzt werden muss, und einen Jet-Simulator mit echten Flammenwerfern als Nachbrenner ausgestattet.
Ein teures Vergnügen ohne praktischen Nutzen
Abgesehen vom massiven Gesundheitsrisiko ist dieses Rig die Definition von unpraktisch. Nach jedem größeren Feuergefecht musst du vermutlich erst einmal die Raketenwerfer nachladen und den Boden aufwischen. Ein kompetitiver Vorteil entsteht dadurch sicher nicht – im Gegenteil, wer unter Strom gesetzt wird, trifft vermutlich seltener den Kopf des Gegners.
Dennoch liefert das Projekt einen faszinierenden Ausblick darauf, was technisch möglich ist, wenn man jegliche Vernunft über Bord wirft. Es ist die ultimative „Pain Station“ für das 21. Jahrhundert.