Am 19. März 2026 traf es gleich zwei Studios auf einmal: Ubisoft beendet die Spieleentwicklung bei Red Storm Entertainment, dem Geburtsort von Rainbow Six und Ghost Recon. Crystal Dynamics verabschiedet derweil 20 weitere Mitarbeitende – und versichert dabei zum vierten Mal in Folge, Tomb Raider sei "nicht betroffen".
Kurz & Knapp
- Ubisoft beendet Game Development bei Red Storm Entertainment – 105 Jobs gestrichen
- Red Storm bleibt als IT- und Snowdrop-Support-Studio bestehen, macht aber keine Spiele mehr
- Das Studio wurde 1996 von Romanautor Tom Clancy mitgegründet und schuf Rainbow Six (1998) sowie Ghost Recon (2001)
- Crystal Dynamics entlässt 20 weitere Mitarbeitende – vierte Welle in 12 Monaten
- Mindestens 67 Jobs bei Crystal Dynamics seit März 2025 gestrichen
- Tomb Raider: Legacy of Atlantis (2026) und Catalyst (2027) sollen "nicht betroffen" sein
Red Storm Entertainment: Der Vater taktischer Shooter ist Geschichte
1996–2026: von Rainbow Six zu "bitte die Tickets einreichen"
Stell dir vor, du hast 1998 Rainbow Six erschaffen – eines der prägendsten Spiele des Shooter-Genres überhaupt. 2001 folgte Ghost Recon. Ubisoft kaufte dich im Jahr 2000, und für eine Weile lief alles gut. Dann, drei Jahrzehnte später, beendet der Mutterkonzern deine Spieleentwicklung per internem Schreiben und stellt dich auf Snowdrop-IT-Support um.
Das ist Red Storm Entertainment im Jahr 2026.
Laut Berichten von VGC und GamesIndustry.biz verlieren 105 Mitarbeitende ihre Stellen. Das Studio selbst bleibt zwar offen – allerdings nur noch als Support-Einheit für Ubisofts Snowdrop-Engine sowie für IT und Kundendienst. Wer dort bisher Spiele gemacht hat, macht das nicht mehr.
Das letzte selbst entwickelte Spiel des Studios war Ghost Recon: Future Soldier (2012). Danach schwenkte Red Storm komplett auf VR um: Werewolves Within, Star Trek: Bridge Crew, Assassin's Creed Nexus VR. Auch das Free-to-Play-Projekt The Division Heartland wurde 2024 nach mehrfachen Verzögerungen gestrichen – Red Storms letzter Versuch, wieder relevant zu werden.
Kein abruptes Ende – nur das letzte Kapitel einer langen Geschichte
Der finale Schnitt kam nicht ohne Vorwarnung. Seit 2024 hat Red Storm bereits drei Entlassungswellen durchgemacht: 45 Jobs 2024, weitere 19 im Jahr 2025. Bei einer Belegschaft von zuletzt rund 180 Personen sind das Zahlen, die für sich sprechen.
Im Rahmen von Ubisofts neuem Fünf-Creative-Houses-Modell fällt Rainbow Six unter Vantage Studios (zusammen mit Assassin's Creed und Far Cry). Ghost Recon, Splinter Cell und The Division landen in einem noch namenlosen zweiten Creative House. Red Storm selbst? Kein Creative House. Kein Spiel. Kein Mic-Drop-Moment. Nur Snowdrop-Tickets.
Crystal Dynamics: "Wir sind committed." (Das vierte Mal.)
Copy-paste-Krise
Crystal Dynamics hat auf LinkedIn einen Post veröffentlicht. Wer das Studio kennt, weiss schon, was kommt: 20 weitere Entlassungen, "split between some development personnel and some central operations roles", Dankeschön an die Betroffenen, und – natürlich – Tomb Raider ist "nicht betroffen".
Kleines Problem: Das war auch schon die Botschaft im November 2025, im August 2025 und im März 2025. Zusammengezählt: mindestens 67 gestrichene Jobs in zwölf Monaten, tendenz nach oben. Crystal Dynamics hatte bei der Übernahme durch Embracer im Jahr 2022 noch 273 Mitarbeitende.
Zwei Spiele, immer weniger Leute
Aktuell arbeitet Crystal Dynamics an zwei Titeln: Tomb Raider: Legacy of Atlantis, ein UE5-Remake des Originals von 1996 mit geplantem Release 2026, und Tomb Raider: Catalyst, ein neuer Open-World-Eintrag mit Zieldatum 2027. Beide sollen, wie gesagt, "unberührt" bleiben.
Wie eine Entwicklung "unberührt" bleibt, wenn alle paar Monate Kolleginnen und Kollegen das Studio verlassen – das erklärt das LinkedIn-Statement nicht. Es wäre auch das erste Mal, dass es das täte.
Dasselbe Spiel, andere Studios
Riley Testut von Aftermath bringt es auf den Punkt: Das Problem sind nicht die Entwickler bei Red Storm oder Crystal Dynamics. Es sind die Führungskräfte, die schlechte Entscheidungen treffen – und die Rechnung nach unten weitergeben. Wie viele Sparrunden braucht eine Branche, bis sie versteht, dass "zu viele Leute, die Spiele machen" nicht das eigentliche Problem ist?
Ubisoft investiert derweil mehr in "generative KI" und hat seine Struktur auf fünf Creative Houses umgebaut. Gut möglich, dass das mittelfristig Früchte trägt. Gut möglich auch, dass es bloss eine neue Art ist, Verantwortung in Organigrammen zu verteilen.
Quellen: VGC – Ubisoft ends game development at Red Storm, 105 job losses, GamesIndustry.biz / Game Developer – Ubisoft lays off 105 staff at Red Storm, Kotaku – Tomb Raider Devs Promise It's Still Coming Despite More Layoffs
Glaubst du, Crystal Dynamics kann zwei Tomb-Raider-Spiele mit einem immer kleiner werdenden Team noch auf Niveau liefern – oder sagen die Entlassungen schon alles über den tatsächlichen Projektstatus aus?