Borderlands 4: 30 Euro für 2 Stunden Story – Community versenkt das Mad-Ellie-DLC auf Steam
Wenn der Preis lauter ist als der Inhalt
Mit Story Pack 1: Mad Ellie and the Vault of the Damned wollte Gearbox die Spieler zurückbringen, die nach dem Launch von Borderlands 4 abgesprungen sind. Neue Zone, neuer Vault Hunter, kosmischer Horror im Whispering Glacier. Klingt gut. Kostet 29,99 Dollar. Und genau da fängt das Problem an.
Kurz & Knapp
- Story Pack 1 kostet 29,99 € – teuerstes Borderlands-DLC aller Zeiten
- Hauptstory in 2–3 Stunden abschliessbar
- Nur 32 % positive Steam-Bewertungen bei ~231 Reviews: „Mostly Negative"
- PSN-Bewertung deutlich besser: 4,17 von 5 Sternen
- C4SH nicht separat kaufbar – Charakter und Story sind ein Zwangspaket
- SteamDB-Peak nach Release: ~14.800 gleichzeitige Spieler (Launch 2025: 300.000)
Was das DLC bietet – und was es nicht bietet
Auf dem Papier liest sich der Umfang respektabel: neue Hauptmissionen, Sidequest-Paket, zwei grössere Bossfights, 16 kleinere, frische Gear-Pool-Erweiterung, kosmetische Items und der Whispering Glacier als neue Zone. Dazu C4SH, der fünfte spielbare Vault Hunter – ein Ex-CasinoBot mit Fortune-Stack-Mechanik, einem magischen Kartendeck und gewürfelten Bone Dice. Alle seine Legendary Class Mods und Farm-Tipps findest du hier.
Das Problem ist nicht die Qualität. Wer das DLC gespielt hat und eine negative Bewertung abgegeben hat, lobt es in weiten Teilen trotzdem. Das Problem ist das Verhältnis von Preis zu Spielzeit. Laut Community-Berichten auf Reddit und Steam lässt sich die Hauptstory in 2 bis 3 Stunden durchspielen, ohne dabei zu hetzen. Reddit-User Wdiesel schrieb, er habe den Main Run in 2,5 Stunden abgeschlossen – und dabei genau eine Mission als wirklich erinnerungswürdig empfunden.
„Ich liebe das DLC, macht wirklich Spass. Aber 30 Dollar für einen Inhalt, den man an einem Nachmittag durch hat? Das ist ein kleines Story-Pack, keine Expansion, und es sollte entsprechend bepreist werden." – Steam-Review, positiv bewertet, trotzdem Daumen runter
Die Franchise-Rechnung, die Gearbox verloren hat
Borderlands-2-Erweiterungen kosteten damals je 10 Dollar, Vault Hunter ebenfalls 10 Dollar separat. Borderlands 3 erhöhte den Preis auf 15 Dollar pro Kampagnen-Erweiterung, bot dafür aber keine DLC-Charaktere. Ein Charakter plus eine Story in Borderlands 2 zusammen: rund 20 Dollar.
In Borderlands 4 gibt es diese Trennung nicht mehr. C4SH ist nicht einzeln erhältlich – wer ihn will, kauft automatisch Story Pack 1. Was in der Vergangenheit als Einzelteile für rund denselben Gesamtpreis verfügbar war, ist jetzt ein Pflichtpaket. Für 30 Dollar, ohne die Wahl, nur den Charakter zu nehmen.
Zum Vergleich aus der aktuellen Release-Landschaft: Für 30 Dollar bekommst du Mewgenics mit hundert Stunden Spielzeit, für 25 Dollar Slay the Spire 2, für 20 Dollar Hollow Knight: Silksong. Das sind keine unfairen Vergleiche, das ist die Realität des Markts, in dem Gearbox dieses DLC platziert hat.
Steam vs. PSN – zwei völlig verschiedene Wahrnehmungen
Auf Steam steht Mad Ellie bei 32 % positiven Bewertungen aus 231 Reviews: „Mostly Negative". Auf dem US-PlayStation-Store liegt die Wertung bei 4,17 von 5 Sternen, deutlich wärmer als die PC-Community.
Das ist kein Widerspruch, sondern ein bekanntes Muster. Steam-Spieler sind in ihrer Bereitschaft, Negative-Reviews als Preisprotest zu nutzen, historisch aktiver als Konsolen-Nutzer. Dass dieselbe Spielerfahrung plattformabhängig so unterschiedlich bewertet wird, sagt weniger über das DLC aus als über das Medium der Kritik.
Die Spielerzahlen auf SteamDB zeigen einen kleinen Anstieg: Während sie zuvor zwischen 2.000 und 4.000 pendelten, wurde ein Peak von rund 14.800 gleichzeitigen Spielern nach dem DLC-Launch gemessen. Ein Lebenszeichen – aber weit entfernt von den 300.000 Concurrent Players zum Launch im September 2025. Die aktuellen Zahlen gibt es in den Borderlands 4 Steam Charts in Echtzeit.
Was Gearbox selbst dazu sagt
Lead Game Designer Josh Jeffcoat hat im Interview mit IGN klargestellt, für wen dieses DLC gebaut wurde:
„Komm zurück wegen des Abenteuers. Dafür habe ich das gebaut – um den Spielern die Möglichkeit zu geben, eine Geschichte zu erleben und einen neuen Ort zu entdecken."
Das ist eine legitime Design-Vision. Mad Ellie ist kein Endgame-Content-Drop, sondern ein Story-fokussierter Rückkehr-Anlass. Jeffcoat sagte explizit, er habe beim Balancing nicht Loot-Grinder im Kopf gehabt, sondern Spieler, die nach dem Basegame abgesprungen sind und einen Grund zum Zurückkommen suchen.
Das Problem: Wer sich Story Pack 1 kauft und zwei bis drei Stunden später am Abspann sitzt, hat nicht genug Endgame-Substanz, um danach weiterzuspielen – und keinen Anreiz, mit C4SH eine komplett neue Kampagne zu beginnen. Der Wiedereinstieg endet dort, wo er eigentlich erst beginnen sollte. Wer trotzdem mit C4SH von vorne anfangen will, findet im BL4 Level Guide den schnellsten Weg zum Cap.
Das eigentliche Risiko: Story Pack 2
Borderlands 4 bekommt insgesamt nur zwei grosse Story-Packs statt der vier, die Borderlands 3 erhalten hat. Das ist keine Kleinigkeit. Wenn Pack 1 mit „Mostly Negative" im Markt steht und die Kaufzahlen entsprechend verhalten ausfallen, gerät Pack 2 in eine schwierige Ausgangslage – egal wie gut es wird.
Gearbox hat bereits die Erfahrung gemacht, nachzusteuern: Bounty Pack 1 wurde nach dem Launch kostenlos gemacht, nachdem das Studio eingestanden hatte, dass es leichter ausgefallen war als geplant. Ob bei Story Pack 1 eine ähnliche Reaktion folgt, ist offen. Bis dahin liegt der Preis bei 29,99 Dollar – oder 49,99 Dollar für den Vault Hunter Pack, der beide Story-Packs plus beide neue Vault Hunter enthält.
Hast du Story Pack 1 gekauft – und war das Preis-Leistungs-Verhältnis für dich okay?