Dreifach-Wechsel an der Xbox-Spitze
Microsoft hat am 20. Februar 2026 die Xbox-Führung komplett umgebaut. Phil Spencer geht nach 38 Jahren bei Microsoft in den Ruhestand, Xbox-Präsidentin Sarah Bond verlässt das Unternehmen, und die neue CEO von Microsoft Gaming heisst Asha Sharma – bislang Chefin der CoreAI-Produktsparte.
Kurz & Knapp
- Phil Spencer tritt nach 12 Jahren als Xbox-Chef ab (effektiv 23. Februar)
- Asha Sharma, Microsofts bisherige KI-Produktchefin, wird neue CEO von Microsoft Gaming
- Sarah Bond verlässt Microsoft überraschend – sie galt als logische Spencer-Nachfolgerin
- Matt Booty steigt zum Chief Content Officer auf und überwacht rund 40 Studios
- Sharma verspricht: Kein „soulless AI slop" bei Xbox
- Sarah Bond bestätigte nebenbei, dass eine neue Xbox-Konsole in Entwicklung ist
Spencer verabschiedet sich – Bond geht überraschend mit
Spencer hatte Nadella bereits im Herbst 2025 informiert, dass er aufhören will. Er bleibt als Berater bis zum Sommer. Sein Vermächtnis ist zweischneidig: Game Pass, die Activision-Übernahme und die Öffnung Richtung PC und Cloud stehen auf der Habenseite. Auf der anderen: tausende gestrichene Stellen, geschlossene Studios wie Tango Gameworks, einbrechende Konsolenverkäufe und ein Game Pass Ultimate, der mittlerweile 29,99 Dollar kostet.
Sarah Bonds Abgang kam unerwartet. Sie hatte die Plattformstrategie, Cloud Gaming und die Activision-Integration verantwortet. In ihrem Abschiedsmemo auf LinkedIn liess sie beiläufig fallen, dass die nächste Xbox-Konsole bereits in Arbeit ist – ein Detail, das in der Nachrichtenflut fast unterging.
Wer ist Asha Sharma – und warum ist die Community skeptisch?
Sharma war COO bei Instacart, Vice President bei Meta und zuletzt Leiterin von Microsofts CoreAI-Sparte. Spielebranche? Kein beruflicher Berührungspunkt. Im Interview mit Variety nannte sie Firewatch als prägendes Spielerlebnis.
Quelle: Microsoft
Kurz nach ihrer Ernennung teilte sie auf X ihren Xbox-Gamertag. Die Community stellte fest: 10.860 Gamerscore, Profil offenbar erst seit rund einem Monat aktiv, 29 Spiele in diesem Zeitraum. Darunter Halo: The Master Chief Collection (290/7000 Gamerscore) und Halo Infinite. Kein Beweis für mangelndes Interesse – aber der Eindruck einer hastig aufgebauten Gaming-Biografie war schwer abzuschütteln.
Was Sharma verspricht – und was davon zu halten ist
In ihrem internen Memo formulierte Sharma drei Prioritäten:
„Great Games": Unvergessliche Charaktere, Geschichten, die berühren, kreative Exzellenz. Matt Booty als neuer Chief Content Officer soll das inhaltlich absichern – er kennt die Studios seit Jahren.
„Die Rückkehr von Xbox": Sharma will sich den Core-Fans verpflichten. Auf X reagierte sie auf die Forderung nach exklusiven Titeln mit: Sie „höre" das. Unverbindlich, aber immerhin kein Dementi. Gleichzeitig betonte sie, Gaming finde „über Geräte hinweg" statt.
„Die Zukunft des Spielens": Neue Geschäftsmodelle, Plattformen und Tools, die Spielern ermöglichen, „eigene Geschichten zu erstellen und zu teilen". Das klingt nach Roblox-Richtung. Und dann dieser Satz:
„Wir werden keine kurzfristige Effizienz jagen oder unser Ökosystem mit seelenlosem AI-Slop fluten. Spiele sind und bleiben Kunst, geschaffen von Menschen." — Asha Sharma, internes Memo
Klingt gut. Schliesst den Einsatz von KI-Tools in der Entwicklung aber nicht aus – nur sichtbar schlechte Ergebnisse.
Was heisst das konkret für Xbox-Spieler?
Am Line-up für 2026 ändert sich kurzfristig nichts. Forza Horizon 6 kommt am 19. Mai, das Fable-Reboot im Herbst, Halo: Campaign Evolved irgendwann im Laufe des Jahres. Dazu GTA VI im November als Mega-Release auf allen Plattformen.
Die eigentliche Frage ist strategischer Natur: Bewegt sich Xbox unter Sharma stärker Richtung Plattform und Services – also weg von Hardware-Exklusivität? Oder gelingt es ihr, die Marke als eigenständiges Gaming-Ökosystem zu stärken? Sharmas Hintergrund als „Platform Builder" (ihre eigenen Worte) deutet eher auf Ersteres hin.
Matt Booty wird zum stillen Machtfaktor. Er beaufsichtigt die Studios, kennt die Pipelines und hat das Vertrauen der Entwickler. Wenn diese Struktur funktioniert – Sharma gibt die Plattformstrategie vor, Booty liefert die Spiele – könnte das aufgehen. Muss es aber nicht.
Sharma hat Updates für das GDC Festival of Gaming im März und die Xbox Games Showcase im Frühling angekündigt. Spätestens dort wird sich zeigen, ob hinter den Memos mehr steckt als poliertes Corporate-Deutsch.
Quellen: Microsoft Blog: Asha Sharma named EVP and CEO, Microsoft Gaming, Variety: Xbox Shake-Up – Phil Spencer Exiting, Asha Sharma Set as Successor, Variety: New Microsoft Gaming CEO Asha Sharma on Great Games, AI and Replacing Phil Spencer, VGChartz: Xbox Revenue Drops 9% in Holiday 2025 Quarter