Guerrilla-Mitgründer baut europäische Engine-Alternative zu Unreal und Unity
The Immense Engine: Europas Antwort auf Unreal und Unity kommt von einem Veteran der Branche
- Arjan Brussee, Mitgründer von Guerrilla Games und langjähriger Epic-Mitarbeiter, entwickelt The Immense Engine
- Die Engine soll vollständig in Europa gehostet, von Europäern entwickelt und nach europäischen Regeln betrieben werden
- KI soll keine nachträgliche Ergänzung sein, sondern von Anfang an im Kern der Technologie stecken
- Konkrete Erscheinungstermine, Zielgruppen und Lizenzmodelle sind bislang nicht bekannt
Wer ist Brussee - und warum sollte dich das interessieren?
Brussee hat so ziemlich alles gesehen, was die westliche Spieleentwicklung zu bieten hat. In den 90ern programmierte er bei Epic an Jazz Jackrabbit, 2003 gründete er Guerrilla Games mit und leitete dort die Produktion - das Studio, das später Killzone und Horizon entwickelte.
Danach war er Mitgründer von Boss Key Productions, dem Studio von Cliff Bleszinski, das mit LawBreakers und Radical Heights scheiterte und 2018 schloss. Anschließend kehrte Brussee zu Epic zurück und arbeitete dort acht Jahre als Global Director of Product Management für die Unreal Engine.
Er weiß also ganz genau, wie Unreal Engine von innen aussieht. Seine Kritik sitzt entsprechend tief:
Populäre Engines wie Unreal seien nach seiner Darstellung noch immer für Menschen gemacht, die sich mit der Maus durch Menüs klicken - wer etwas grundlegend ändern wolle, müsse beim Kern ansetzen.
KI im Kern, Souveränität als Verkaufsargument
Im niederländischen Podcast De Technoloog erklärte Brussee, derzeit baue niemand eine Engine, die vollständig in Europa gehostet werde, von Europäern entwickelt sei und europäischen Regeln entspreche. Genau diese Lücke soll The Immense Engine schließen.
Der Fokus liegt dabei nicht ausschließlich auf Games. Brussee nennt 3D-Simulationen für Verteidigung und Logistik als konkrete Einsatzbereiche - also Felder, in denen europäische Datenhoheit und Unabhängigkeit von außereuropäischen Plattformen handfeste Relevanz haben.
KI soll dabei kein aufgesetztes Feature werden. Brussee spricht von einem grundlegenden Wandel, wie Software künftig gebaut und bedient wird. Mit einem guten Framework aus KI-Agenten, so seine These, könne ein kleines Team Arbeit leisten, für die sonst zehn bis fünfzehn Personen nötig wären. Das ist eine ambitionierte Behauptung - und noch keine bewiesene Tatsache.
Für Spieleentwicklung im klassischen Sinne ist das Projekt trotzdem relevant. Wir haben erst kürzlich darüber geschrieben, warum Bohemia Interactives Enfusion-Engine eine ernsthafte Alternative für Studios darstellt, die sich von großen Plattformen lösen wollen. The Immense Engine zielt in eine ähnliche Richtung, geht aber noch einen Schritt weiter in Richtung europäischer Unabhängigkeit.
Offene Fragen gibt es noch viele: wann die Engine erscheint, für wen sie zuerst zugänglich sein wird und ob das Modell eher offen oder kommerziell ausgerichtet ist. Brussee hat bislang keine technischen Details, Partner oder Zeitpläne öffentlich gemacht.
Was bleibt, ist ein Projekt, das gleich mehrere aktuelle Nerven trifft: Abhängigkeit von US-Technologie, europäische digitale Souveränität und den Umbruch durch KI in der Entwicklung. Brussee bringt die Erfahrung mit - ob The Immense Engine am Ende mehr ist als ein gut begründetes Konzept, wird sich zeigen.
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