Kurz & Knapp
- Xbox-Insider Jez Corden: CoD 2026 kommt möglicherweise nicht am Launch-Tag in den Game Pass
- Bloomberg schätzt: Black Ops 6 kostete Microsoft rund 300 Mio. USD an Direktverkäufen
- Aus dem Kotick-Klage-Leak: CoD-Verkäufe sollen 2025 um 60 % eingebrochen sein
- Microsofts eigene Game-Pass-Seite schliesst CoD bereits vom Premium-Tier aus
- Keine offizielle Bestätigung – aber der Xbox Games Showcase am 7. Juni könnte Klarheit bringen
Microsoft zieht die Notbremse – oder zumindest die Handbremse
Jez Corden, einer der wenigen Xbox-Insider, die regelmässig richtig liegen, hat in einem Livestream etwas gesagt, das in der Community sofort eingeschlagen ist: Xbox soll intern darüber nachdenken, Call of Duty 2026 nicht als Day-One-Titel in den Game Pass aufzunehmen. Kein beschlossenes Vorhaben – aber dass Corden es überhaupt ausspricht, reicht, um die Alarmglocken zu läuten.
Offiziell hat Microsoft geschwiegen. Das nächste CoD ist nicht mal angekündigt – wird aber als neuer Infinity-Ward-Teil gehandelt. Erst im November 2025 war Black Ops 7 als Day-One-Titel im Game Pass gestartet, damals noch als gesetzt geltender Schritt.
300 Millionen Dollar. Sechzig Prozent. Zwei Zahlen, die alles erklären.
Die Rechnung ist schmerzhaft simpel. Bloomberg schätzte, dass Microsoft allein durch die Day-One-Aufnahme von Black Ops 6 rund 300 Millionen USD an direkten Verkaufserlösen verloren hat. Dazu kommt ein Leak aus dem Rechtsstreit um Ex-Activision-CEO Bobby Kotick: CoD-Verkäufe sollen 2025 um 60 % eingebrochen sein.
Battlefield 6 hat da auch reingestört. Die DICE-Konkurrenz traf genau in dem Jahr mit starken Steam-Zahlen auf, in dem CoD als gratis-im-Abo-Titel ohnehin schon an Kaufanreiz verloren hatte. Der Platzhirsch taumelt.
Corden beschrieb das Grundproblem treffend: CoD im Abo saugt einen Grossteil der internen Revenue-Zuweisung auf – Geld, das eigentlich für neuen Content fliessen müsste, um Churn zu verhindern. Das Spiel schadet dem Abo. Das Abo schadet dem Spiel. Genau diese Spirale versuchte Microsoft nach Black Ops 7 mit seiner Service-Offensive aus Fortnite, CoD und The Crew zu kaschieren.
Der Hinweis, den alle übersehen haben
Auf Microsofts offizieller Game-Pass-Seite steht in nüchternem Kleingedruckten, dass das Premium-Tier Xbox-Published-Games innerhalb eines Jahres nach Launch enthält – Call-of-Duty-Titel ausdrücklich ausgenommen. Das ist kein Versehen. Microsoft hat CoD bereits still und leise aus dem günstigeren Tier herausgehalten.
Die Frage ist nicht mehr ob CoD im Game Pass unter Druck steht. Die Frage ist, ob der nächste Schritt auch Ultimate trifft.
Mehr zahlen, weniger kriegen
Die neuen Abo-Stufen Essential, Premium und Ultimate kosteten seit Oktober 2025 spürbar mehr – für Bestandskunden in Deutschland gab es immerhin kurzzeitig eine Ausnahme. Die Preiserhöhung kam mit dem Versprechen: mehr Day-One-Games. CoD rauszunehmen wäre das direkte Gegenteil davon. Mehr zahlen, weniger kriegen – das ist eine Kommunikationskatastrophe in drei Wörtern.
Corden brachte noch eine weitere Idee ins Spiel: ein "Super-Tier", in dem Service-Giganten wie CoD separat gebündelt werden, während der Rest des Abos günstiger wird. Spekulativ – aber nicht absurd.
Neues Management, neue Rechnung
Nach dem Xbox-Beben rund um Phil Spencers Abgang und Asha Sharmas Amtsübernahme sitzt bei Microsoft Gaming eine neue Führung am Tisch, die Spencers Strategie nicht zwingend weiterführen muss. Das grosse Xbox-Bild zeigt ohnehin: Der Konzern hat den klassischen Konsolenkrieg aufgegeben und setzt auf Software und PC. In so einer Phase steht jede teure Grundsatzentscheidung auf dem Prüfstand.
Warum ausgerechnet 2026 der Zeitpunkt wäre
Falls Microsoft den Schnitt macht, dann jetzt: 2026 hat mit Fable, Gears of War: E-Day, Forza Horizon 6 und dem Halo-1-Remake ein First-Party-Line-up, das den Schmerz abfedert. Was beim Xbox Games Showcase am 7. Juni noch dazukommt, ist offen.
Nur: Wer sein Ultimate-Abo primär wegen CoD hält, wird durch Fable nicht umgestimmt. Das sind verschiedene Spieler, verschiedene Erwartungen – und Microsoft weiss das.
Würdet ihr euer Game-Pass-Abo kündigen, wenn CoD 2026 nicht am Launch-Tag dabei ist – oder reicht euch das restliche 2026-Line-up?
Quellen: Windows Central (Jez Corden), Bloomberg, Xbox.com