Marathon nach dem Hype – das erste Wochenende in Zahlen
Das erste Wochenende ist vorbei. Die Euphorie der 91% positiven Steam-Reviews trifft auf eine unbequeme Realität: Marathon verliert Spieler – und zwar schneller, als Bungie lieb sein dürfte.
Kurz & Knapp
- Allzeit-Peak Steam: 88.337 (Launch-Tag, 6. März)
- 24h-Peak Wochenende: 75.133 – über 13.000 weniger als am Launch
- Aktuelle Spieler (Sonntag): ~63.000
- Metacritic User Score: 4.4/10 ("Generally Unfavorable")
- Steam-Bewertung: 89% positiv bei 16.000+ Reviews
- Twitch-Viewership: Von ~250k Peak auf ~32k Durchschnitt gefallen
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache
Am Launch-Tag erreichte Marathon einen Steam-Peak von 88.337 gleichzeitigen Spielern. Kein schlechter Start – aber auch kein überragender. Zum Vergleich: Arc Raiders erreichte 481.966 bei seinem Early-Access-Launch.
Das Problem: Die Kurve zeigt nach unten. Am Wochenende – normalerweise die beste Zeit für Live-Service-Spiele – lag der 24-Stunden-Peak nur noch bei 75.133. Am Sonntagabend waren es rund 63.000 aktive Spieler. Ein Rückgang von über 28% gegenüber dem Peak, und das noch bevor die erste Arbeitswoche beginnt.
Auf Twitch sieht es ähnlich aus. Der Peak lag bei knapp 250.000 Zuschauern – dank Launch-Hype und Twitch-Drops. Inzwischen pendelt der Durchschnitt bei 32.000. Das ist solide, aber nicht der Kategorie-Killer, den Sony sich erhofft hat.
Metacritic vs. Steam – zwei völlig verschiedene Realitäten
Die Diskrepanz ist frappierend:
| Plattform | Bewertung | Tendenz |
|---|---|---|
| Steam | 89% positiv (16.000+ Reviews) | Very Positive |
| PlayStation Store | 4.7/5 (3.300+ Reviews) | Sehr positiv |
| Xbox Store | 4.5/5 (US), 5/5 (Kanada) | Positiv |
| Metacritic User | 4.4/10 (283+ Reviews) | Generally Unfavorable |
Wie passt das zusammen? Die kurze Antwort: Review-Bombing.
Auf Metacritic tummeln sich 0er-Wertungen von Accounts, die das Spiel nachweislich nie gespielt haben. Die Kritikpunkte in diesen Reviews sind oft dieselben: Destiny wird vernachlässigt, Sony pusht zu viele Live-Service-Spiele, das UI ist unlesbar, die Mikrotransaktionen sind frech.
"Metacritic sollte wirklich etwas dagegen unternehmen. Man kann nicht einfach jeden ein Spiel bewerten lassen."
Das schreibt ein Nutzer in den positiven Reviews – und trifft damit einen Nerv. Während auf Steam nur verifizierte Käufer bewerten können, steht Metacritic jedem offen.
Die wahren Gründe hinter dem Shitstorm
Das Review-Bombing hat mehrere Ursachen, und nicht alle sind unberechtigt:
Die Destiny-Community fühlt sich verraten. Während Bungie Ressourcen in Marathon steckte, erhielt Destiny 2 immer weniger Content. The Final Shape war gut – aber viele befürchten, dass ihre geliebte Franchise zugunsten des neuen Projekts geopfert wird.
Die LUX-Kontroverse. Obwohl Bungie das 10-Dollar-Bundle bereits korrigiert hat, bleibt der bittere Nachgeschmack. Ein Skin für 1.120 LUX, aber das Bundle gibt nur 1.100? Das war ein PR-Desaster, das sich nicht so schnell vergessen lässt.
Live-Service-Müdigkeit. The Last of Us Online wurde gecancelt, ebenso andere Sony-Projekte. Warum überlebte ausgerechnet Marathon? Für manche ist das Spiel ein Symbol für alles, was bei Sonys Strategie schiefläuft.
Das UI ist objektiv problematisch. Selbst positive Reviews kritisieren die Lesbarkeit. "Fontslop" ist zum Meme geworden. Bungie hat bereits Verbesserungen angekündigt, aber der erste Eindruck zählt.
Keine Kritiker-Reviews bis Ende März
Ein weiterer Faktor: Es gibt keinen Metacritic-Score. Bungie hat Medien gebeten, ihre finalen Reviews bis Ende März zurückzuhalten – bis die Cryo Archive Zone und der Ranked Mode erscheinen.
Das ist ungewöhnlich, aber nicht unvernünftig. Live-Service-Spiele verändern sich stark nach dem Launch. Trotzdem: In der Zwischenzeit dominieren die User-Reviews das Narrativ. Und das Narrativ ist derzeit nicht freundlich.
Wird Marathon zum zweiten Concord?
Die Angst war gross. Vor dem Launch fragten sich viele, ob Marathon das Schicksal von Concord oder Highguard teilen würde – schneller Tod, peinliches Ende.
Die Antwort nach dem ersten Wochenende: Nein, aber…
Marathon ist kein Flop. 63.000 gleichzeitige Spieler am Sonntagabend sind kein Desaster. Die Steam-Reviews sind positiv, das Gunplay wird gelobt, die Battle-Pass-Politik ist fair. Bungie reagiert schnell auf Feedback.
Aber Marathon ist auch kein Erfolg. Nicht nach Sonys Massstäben. Nicht mit diesen Zahlen. Und nicht mit diesem PR-Bild.
Die kommenden Wochen werden entscheiden. Kann Bungie die Spieler halten, die jetzt noch da sind? Bringt der Ranked Mode frischen Wind? Wird das UI-Update die Kritiker besänftigen?
Das erste Wochenende war ein Test. Marathon hat bestanden – aber nur knapp. Und die nächste Prüfung kommt schneller, als Bungie lieb sein dürfte.
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