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Arc Raiders als Sozialexperiment: Wenn eine Neurologie-Professorin empfiehlt, ein Videospiel wissenschaftlich zu untersuchen

Von TYay0 in Arc Raiders news arc raiders
vor 9 Stunden (aktualisiert vor 9 Stunden)
Embark Studios hat mit Arc Raiders offenbar mehr erschaffen als einen Extraction Shooter – das Spiel weckt das Interesse der Wissenschaft. CEO Patrick Söderlund verrät, warum eine Neurologie-Professorin ihn zur Zusammenarbeit mit der Forschung aufforderte.
Arc Raiders als Sozialexperiment: Wenn eine Neurologie-Professorin empfiehlt, ein Videospiel wissenschaftlich zu untersuchen

Arc Raiders zieht Interesse aus unerwarteter Richtung auf sich

Arc Raiders wurde Ende Oktober 2025 veröffentlicht und entwickelte sich binnen weniger Wochen zu einem der erfolgreichsten Multiplayer-Titel des Jahres. Doch während die meisten Entwickler sich über Verkaufszahlen und Spielerbindung freuen, erhält Embark Studios Anfragen aus einer völlig anderen Ecke: der Neurowissenschaft.

Kurz & Knapp

  • Eine Neurologie-Professorin ermutigt Embark zur wissenschaftlichen Zusammenarbeit
  • Söderlund beschreibt Arc Raiders offen als "soziales Experiment"
  • Das Spiel sammelt über sein Matchmaking-System bereits Verhaltensdaten
  • Aktuell spielen rund 121.000 Spieler gleichzeitig – etwa dreimal so viele wie bei Battlefield 6
  • Arc Raiders gewann den DICE Award als "Online Game of the Year"
  • Embark plant keine konkrete Forschungskooperation, zeigt sich aber interessiert

„Du hast keine Ahnung, was du da gebaut hast"

In einem kürzlich geführten Interview mit IGN offenbarte Patrick Söderlund, CEO von Embark Studios, eine bemerkenswerte Anekdote. Bei einem Abendessen habe ihn eine befreundete Neurologie-Professorin angesprochen:

„Hör zu, du hast keine Ahnung, was du da gebaut hast. Vergiss mal das Spiel an sich. Allein die Möglichkeiten für psychologische und soziale Experimente – das, was dieses Spiel sein kann. Du solltest mit Leuten aus dem medizinischen Bereich zusammenarbeiten, um zu untersuchen, welche Verhaltensweisen Arc Raiders auslöst."

Söderlund selbst zeigt sich von dieser Perspektive fasziniert. Er habe zahlreiche Artikel gelesen, die Arc Raiders als "eine Art Sozialexperiment" beschreiben – und stimmt dem ausdrücklich zu: "Das ist es auch, und ich liebe das."

Warum gerade Arc Raiders?

Der Extraction Shooter von Embark unterscheidet sich fundamental von Konkurrenten wie Escape from Tarkov oder The Cycle: Frontier. Das Spiel erzwingt keine Gewalt zwischen Spielern. Wer möchte, kann kooperieren, Handel treiben oder schlicht aneinander vorbeigehen. Diese Freiheit erzeugt eine konstante Unsicherheit – und genau darin liegt das Forschungspotenzial.

 

Arc Raiders' Design provoziert Fragen: Vertraue ich einem Fremden, der mir zuwinkt? Schieße ich zuerst, um kein Risiko einzugehen? Helfe ich jemandem, obwohl er mich später verraten könnte? Diese Entscheidungen fallen unter Druck, mit echten Konsequenzen für den eigenen Spielfortschritt. Für Verhaltensforschung ein geradezu ideales Setting.

 

Das aggressionsbasierte Matchmaking, das Embark seit Kurzem einsetzt, liefert dabei bereits verwertbare Daten. Das System erkennt, wer zuerst schießt, wer kooperiert und wer regelmäßig hinterhält. Aggressive Spieler landen häufiger bei anderen aggressiven Spielern – friedliche bei friedlicheren. Embark trackt diese Muster bereits, nutzt sie bisher aber ausschließlich zur Spielbalance.

Die Community als ungeplantes Labor

Dass Arc Raiders zum sozialen Versuchsfeld wurde, überrascht selbst die Entwickler. Söderlund gibt offen zu, dass Embark die emergenten Verhaltensweisen nicht vorhergesehen hat. Einige Beispiele aus der Community:

 

Ein Spieler in der Map Stella Montis baute einen Todeslabyrinth aus 65 Türbarrikaden, 13 mobilen Barrikaden und drei Minen – und nannte sich auf reddit selbst "Ingenieur des Chaos". Andere Spieler führen Fremde wortlos zu versteckten Loot-Caches, verschwinden dann ebenso still wie sie aufgetaucht sind. Wieder andere veranstalten Pickaxe-Duelle mit lautstarken Aufforderungen zum Kampf.

Zwei Brüder starteten ein systematisches Experiment: Einer spielte auf PC, der andere auf PS5, beide ohne Crossplay. Sie verhielten sich bewusst friedlich und dokumentierten die Reaktionen anderer Spieler, ebenfalls auf reddit. Das Ergebnis: PC-Spieler zeigten sich deutlich kooperativer als ihre PlayStation-Kollegen. Solche Community-getriebenen "Studien" unterstreichen, wie sehr Arc Raiders zum Nachdenken über menschliches Verhalten anregt.

Zahlen, die für sich sprechen

Arc Raiders' Erfolg lässt sich auch quantifizieren. Laut aktuellen Steam-Daten (Stand: 14. Februar 2026) spielen rund 121.000 Spieler gleichzeitig. Der Allzeit-Peak lag bei knapp 482.000 am 16. November 2025. 

 

Zum Vergleich: Battlefield 6, das zwei Wochen früher erschien und zum Launch einen höheren Peak erreichte, kommt aktuell auf etwa 39.000 gleichzeitige Spieler – weniger als ein Drittel.

 

Während AAA-Shooter wie Battlefield traditionell nach dem Launch rapide Spieler verlieren, hält Arc Raiders seine Community überraschend stabil. Ein Indiz dafür, dass die sozialen Dynamiken tatsächlich eine Langzeitmotivation bieten, die reine Gameplay-Loops nicht erreichen.

Wird Embark tatsächlich mit Forschern kooperieren?

Auf die naheliegende Frage gibt Söderlund eine ehrliche Antwort: "Wir werden wahrscheinlich nicht so weit gehen." Eine formelle Zusammenarbeit mit medizinischen Institutionen steht nicht auf der Agenda. Doch dass eine Wissenschaftlerin in Arc Raiders Forschungspotenzial sieht, habe ihn nachdenklich gemacht.

„Es zeigt etwas, das ich für fundamental wichtig für dieses Spiel halte – und ich glaube, es ist ein großer Teil dessen, warum das Spiel erfolgreich war."

Arc Raiders sammelt bereits jetzt Verhaltensdaten in einem Umfang, den wenige andere Spiele erreichen. Das aggressionsbasierte Matchmaking erfordert genau diese Tracking-Mechanismen. Ob diese Daten jemals für echte Forschung genutzt werden, bleibt offen. Die Infrastruktur dafür existiert jedenfalls.

Was das über Spieler aussagt

Die Tatsache, dass Arc Raiders wissenschaftliches Interesse weckt, wirft Fragen auf, die über das Spiel hinausgehen. Gaming-Communities wurden schon früher untersucht – von MMO-Ökonomien bis zu Trolling-Verhalten in Chat-Systemen. Arc Raiders bietet jedoch etwas Besonderes: ein geschlossenes System mit echten Konsequenzen, in dem Vertrauen, Verrat und Kooperation nicht abstakt bleiben, sondern den Spielfortschritt direkt beeinflussen.

 

Die Community selbst scheint das intuitiv verstanden zu haben. In Steam-Foren diskutieren Spieler längst, ob Arc Raiders nicht "heimlich" als Experiment konzipiert wurde. Ein Nutzer fasste die Theorie zusammen: "Arc Raiders geht nicht ums Roboter-Schießen – es geht darum, dass die Spieler selbst zum Content werden."

 

Embark dementiert solche Absichten nicht explizit. Söderlund betont lediglich, dass die emergenten sozialen Dynamiken ungeplant entstanden seien. Ob das die Sache weniger faszinierend macht, darf jeder selbst entscheiden.

Beitrag erstellt in Arc Raiders

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Arc Raiders

Spiele, Actionspiele 86

Die deutsche Community für Arc Raiders, den kooperativen Sci-Fi-Shooter von Embark Studios. Tausche dich hier über Strategien, Neuigkeiten und die Jagd nach außerirdischen Robotern aus.

Spiel Informationen
Arc Raiders
Teil der Embark Studios Reihe
Aktuelle Spielerzahlen 248'827 9'153
Metacritic 86 / 100
Entwickler Embark Studios
Publisher Embark Studios / Nexon
Release 30.10.2025
Genre Cooperative third-person shooter
Plattformen
PC PlayStation 5 Xbox Series X
Beschreibung Ein Koop-Sci-Fi-Shooter, in dem Spieler als Widerstandskämpfer gegen eine Invasion mechanischer Gegner antreten.
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