Bungie dreht an den Grundfesten von Marathon - aber ist es zu spät?
Bungie kündigt einen PVE-only-Modus für Marathon an, der das Spielen ohne feindliche Spieler ermöglichen soll
Parallel dazu wird ein noch stärker PVP-fokussierter Modus erwogen
Die Ankündigung kommt als direkte Reaktion auf öffentliche Kritik und schlechte Rezeption seit dem Launch
Die Spielerzahlen von Marathon sind seit Release konstant rückläufig - aktuelle Zahlen findest Du auf unseren Marathon-Charts
Sony hat bereits 765 Millionen Dollar auf Bungie abgeschrieben - Marathon verfehlt die gesetzten Erwartungen deutlich
Was Bungie jetzt konkret plant
In einem offiziellen Blogeintrag auf bungie.net hat das Studio seine Erkenntnisse aus dem Launch zusammengefasst und einen Ausblick gegeben. Das Kernstück der Ankündigung: Ein PVE-only-Modus soll kommen, in dem Spieler die Welt von Marathon erkunden können, ohne auf feindliche Runner zu treffen.
Das ist eine erhebliche Kurskorrektur. Marathon ist als Extraction-Shooter konzipiert, bei dem der Konflikt mit anderen Spielern zur DNA des Genres gehört. Einen Modus anzubieten, der genau dieses Element entfernt, zeigt, wie groß die Distanz zwischen Bungies ursprünglicher Vision und dem ist, was die Community tatsächlich will.
Zusätzlich erwägt Bungie einen Modus am anderen Ende des Spektrums - einen, der noch konsequenter auf PVP setzt. Welche Form das annehmen soll, bleibt offen. Beide Ankündigungen klingen nach dem Versuch, möglichst viele verschiedene Spielertypen anzusprechen, die das aktuelle Grundspiel nicht abholt.
"We've heard you loud and clear" - Bungie im offiziellen Blogeintrag zum Launch-Feedback
Einen konkreten Zeitplan für den PVE-Modus gibt es bislang nicht. Bungie spricht von Plänen und Überlegungen, nicht von festen Terminen. Das ist im aktuellen Zustand des Spiels eine relevante Einschränkung.
Hintergrund: Ein Launch unter Druck
Marathon hatte bereits vor dem Release einen schweren Stand. Die Ankündigung als Extraction-Shooter traf auf gemischte Reaktionen, weil das Genre polarisiert - hohe Einstiegshürde, frustrierende Verlustspirale, wenig Zugänglichkeit für Gelegenheitsspieler. Der tatsächliche Launch hat diese Bedenken nicht zerstreut, sondern verstärkt.
Sony hat mittlerweile 765 Millionen Dollar auf Bungie abgeschrieben - eine Zahl, die keine Interpretation braucht. Das Spiel verkauft sich nicht so, wie es soll, und die Spieler, die es ausprobieren, bleiben nicht.
Die Spielerzahlen auf unseren Charts zeigen den Verlauf deutlich: kein stabiles Plateau nach dem Launch-Peak, sondern ein kontinuierlicher Rückgang. Patches wie das Update 1.0.6.1 mit WSTR-Nerf und mehr Heilmitteln haben das Blatt nicht gewendet - sie waren nötig, aber nicht ausreichend.
Bungie steckt dabei in einer strukturell schwierigen Lage. Das Studio hat in den letzten Jahren massiv Personal abgebaut, Destiny 2 läuft aus, und Marathon soll der Neustart sein. Wenn dieser Neustart stockt, gibt es keinen Plan B in der Schublade.
Der PVE-Modus ist kein Feature
Klare Meinung: Einen PVE-Modus in einem Extraction-Shooter nachträglich anzukündigen, weil die Spielerzahlen sinken, ist kein kreativer Designschritt. Es ist ein Eingeständnis, dass das Kernprodukt einen erheblichen Teil der potenziellen Zielgruppe nicht erreicht.
Das Problem dabei ist die Tiefe des Eingriffs. Extraction-Shooter leben von der Spannung durch echte Gegner. Nimmt man diese heraus, bleibt ein Loot-Dungeon übrig - ein Genre, das bereits gut besetzt ist. Bungie müsste einen PVE-Modus entwickeln, der für sich allein stark genug ist, um Spieler zu halten. Das ist kein kleines Update, das ist ein halbes Spiel.
Gleichzeitig ist die Ankündigung verständlich. Besser einen unvollkommenen Schritt nach vorne als gar keinen. Und die Community, die Marathon grundsätzlich mag, aber am PVP scheitert, ist real. Sie verdient Optionen.
Die eigentliche Frage ist, ob Bungie die Zeit hat, diese Pläne umzusetzen, bevor die Spielerbasis auf ein nicht mehr tragfähiges Minimum schrumpft. Bei sinkenden Zahlen und einem Mutterkonzern, der bereits abschreibt, ist das kein akademisches Problem. Der Vergleich mit anderen gestrandeten Live-Service-Titeln liegt nahe - und der ist selten aufmunternd.
Immerhin kommuniziert Bungie jetzt transparenter als noch vor einigen Wochen. Der Blogeintrag ist ehrlicher in der Selbstkritik als das, was man von vielen Studios gewohnt ist. Ob daraus Taten werden, die schnell genug kommen, wird Marathon entscheiden - nicht die Ankündigung selbst.
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