ROG Equalizer & Corsair ThermalProtect: Smarte Kabel gegen GPU-Brandherd - aber wirklich sicher?
vor 16 Stunden (aktualisiert vor 16 Stunden)
Kabelflut statt Connector-Fix: Die Branche flickt, was Nvidia und PCI-SIG verbockt haben
- ROG Equalizer: Der8auer hat das ASUS-Kabel getestet - die Ergebnisse sind weniger eindeutig als erhofft
- Corsair ThermalProtect: Neues 12V-2x6-Kabel mit Echtzeit-Temperaturüberwachung, schaltet die GPU bei Überhitzung ab
- Grundproblem bleibt: Weder Nvidia noch PCI-SIG liefern eine Lösung - stattdessen wächst ein Markt aus Workarounds
- Kompatibilität: Corsairs ThermalProtect funktioniert aktuell nicht mit deren eigenen SFX-Netzteilen (Type-5-Anschluss)
Der8auer testet - und das Ergebnis ist durchwachsen
Das ROG Equalizer-Kabel von ASUS tritt mit dem Versprechen an, für aktuelle GPUs schlicht überdimensioniert und damit maximal sicher zu sein. Der erste ernsthafte Test durch Overclocker Der8auer zeigt jedoch: So klar ist das Bild nicht. Details zu den genauen Messwerten laufen noch durch die Community, aber die Botschaft ist eindeutig - "overkill" ist kein Freifahrtschein für Sicherheit.
Bild: ROG Equalizer:
Das ist symptomatisch für die gesamte Situation rund um den 12V-2x6-Connector. Seit Jahren brennen Kabel durch, schmelzen Stecker, und die eigentlich verantwortlichen Parteien - Nvidia und das PCI-SIG-Standardisierungsgremium - liefern keine grundlegende Lösung.
Corsair ThermalProtect: Clevere Idee mit echten Einschränkungen
Corsair geht einen anderen Weg. Das neue ThermalProtect-Kabel überwacht die Temperatur direkt am Stecker in Echtzeit und greift über die sogenannten Sense-Pins ein: Wird es zu heiß, trennt ein bimetallischer Schalter (KSD-Thermoschalter) die Sense-Verbindung, die GPU erkennt das als Fehler und schaltet ab. Kein Brand, kein Schmelzen - zumindest in der Theorie.
Bild: Corsair ThermalProtect
Das Herzstück ist dabei ein auf 65 Grad Celsius ausgelegter Thermoschalter, der rund 30 Millimeter vom eigentlichen Stecker entfernt sitzt. Genau das ist der kritische Punkt: Zwischen einem lokalen Hitzeproblem direkt am Pin und dem Ansprechen des Schalters vergehen laut unabhängigen Tests bis zu 115 bis 175 Sekunden. In einem Worst-Case-Szenario mit schlecht sitzendem Stecker kann das zu lang sein.
Hinzu kommt eine handfeste Kompatibilitätslücke. Corsairs eigene SFX-Netzteile mit Type-5-Micro-Fit-Anschluss werden aktuell nicht unterstützt. Eine entsprechende Version soll folgen, ist aber laut Corsair wegen der aufwendigen Handmontage der Kabel nicht trivial umzusetzen.
Das Grundprinzip ist trotzdem solide: Der Schalter ist passiv, braucht keine Firmware und keine proprietäre PSU-Kommunikation wie bei manchen Gigabyte-Lösungen. Das macht das Kabel theoretisch universell einsetzbar - mit jedem Netzteil, das einen Standard-12V-2x6-Ausgang hat.
Was bleibt, ist ein unbehagliches Gefühl. Die Industrie bastelt an immer ausgefeiltere Workarounds für ein Problem, das an der Wurzel gelöst werden müsste: ein Connector-Design, bei dem einzelne Pins unter Volllast mehr als 100 Watt ziehen können. Einfaches Load-Balancing auf GPU-Seite würde das Problem strukturell lösen - kostet kaum mehr in der Fertigung, wäre aber ein Eingeständnis, dass der aktuelle Weg falsch war.
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