Google baut die Suche um - und zerstört dabei das Web, das wir kennen
- Google I/O 2026: Ankündigung des größten Umbaus der Google-Suche seit über 25 Jahren
- KI-Agenten liefern Antworten direkt in der Suchergebnisseite - ohne Klick auf externe Seiten
- Tech-Magazine verloren in 24 Monaten 30 bis 97 Prozent ihres Google-Traffics
- Über 4.000 redaktionelle Jobs im Gaming-Journalismus sind seit Oktober 2023 weggefallen
- Kleine Community-Seiten wie bfcom.eu sind besonders gefährdet, da sie fast ausschließlich auf organischen Suchtraffic angewiesen sind
Was Google auf der I/O 2026 angekündigt hat
Am 19. Mai 2026 stellte Google auf seiner Entwicklerkonferenz eine neue Version der Suche vor, die das Prinzip der klassischen Ergebnisliste grundlegend verwirft. Statt zehn blauer Links gibt es künftig KI-generierte Antworten, persönliche Mini-Apps und sogenannte Informationsagenten, die dauerhaft im Hintergrund laufen.
Diese Agenten sollen Nutzer proaktiv über Neuigkeiten informieren - als KI-Zusammenfassung direkt in der Google-App. Wer wissen will, welcher neue Treiber für seine GPU erschienen ist oder was sich beim nächsten Battlefield tut, bekommt die Antwort von Google selbst. Kein Klick auf einen Artikel nötig, kein Besuch einer Fachseite.
Die Reichweite ist enorm: 2,5 Milliarden Menschen nutzen monatlich bereits die AI Overview, eine Milliarde greift auf den dialogbasierten KI-Modus zu. Google ist damit längst keine Suchmaschine mehr im klassischen Sinne - sondern ein Antwortautomat, der externe Quellen zunehmend als bloße Rohdaten behandelt.
Hintergrund: Das Web lebt vom Klick - und der stirbt gerade
Das Geschäftsmodell fast jeder journalistischen Webseite basiert auf Seitenaufrufen. Werbung, Abonnements, Affiliate-Links - all das funktioniert nur, wenn jemand tatsächlich die Seite besucht. Google war jahrelang der wichtigste Türöffner dafür.
Dieser Mechanismus bricht gerade weg. Business Insider, HuffPost und Digital Trends haben in den vergangenen zwei Jahren zwischen 30 und 97 Prozent ihres Google-Traffics verloren. PCGH meldet seit Jahresbeginn 30 Prozent weniger Klicks über organische Suche. Das sind keine Ausreißer, das ist ein Branchentrend.
Im Gaming-Journalismus spitzt sich die Lage besonders zu. Laut einer Auswertung des Unternehmens Press Engine (via VGC) verschwanden seit Oktober 2023 über 4.000 Redakteursstellen. Die Top 135 Gaming-Webseiten veröffentlichten im ersten Quartal 2025 über 100.000 Artikel weniger als im Vorjahr - ein Rückgang von mehr als 13 Prozent.
Das ist kein Zufall. Weniger Traffic bedeutet weniger Einnahmen, weniger Einnahmen bedeutet weniger Redakteure, weniger Redakteure bedeutet weniger Inhalte. Google zapft diese Inhalte weiter an - die Produzenten sterben dabei aus.
Google frisst den Tisch leer, den andere gedeckt haben
Hier muss man klar sein: Was Google gerade tut, ist strukturell parasitär. Der Konzern trainiert seine KI auf journalistischen Inhalten, präsentiert die destillierten Ergebnisse direkt in der Suche und entzieht den Urhebern gleichzeitig die Einnahmebasis. Das ist kein Versehen, das ist Geschäftsmodell.
Besonders bitter ist das für kleine, spezialisierte Communitys. Eine Seite wie bfcom.eu lebt nicht von Millionen generischen Besuchern, sondern von einer treuen, fachkundigen Leserschaft. Wer gezielt nach Battlefield-News, Server-Infos oder Community-Events sucht, landet bisher hier. Wenn Google diese Antworten künftig selbst generiert - aus Inhalten, die genau solche Seiten produziert haben - ist das Besuchersignal weg.
Googles gleichzeitige Ankündigung, interaktive Werbung einzuführen - also Anzeigen, mit denen Nutzer direkt per KI interagieren sollen - vervollständigt das Bild. Google will, dass du im Google-Universum bleibst. Nicht wegen dir, sondern wegen der Werbeeinnahmen, die dabei anfallen.
Es gibt eine Möglichkeit gegenzusteuern, die Google selbst anbietet: In den Einstellungen des Google-Kontos lassen sich bevorzugte Quellen festlegen. Wer dort beispielsweise bfcom.eu einträgt, bekommt Inhalte dieser Seite häufiger angezeigt - Google selbst gibt an, dass Nutzer doppelt so häufig auf Ergebnisse klicken, wenn sie eine Seite zuvor als bevorzugte Quelle markiert haben.
Das ist ein kleiner Hebel. Aber er ist real und er kostet nichts außer zwei Minuten. Angesichts dessen, was gerade passiert, ist das keine Kleinigkeit.
Langfristig braucht es mehr als individuelle Einstellungen. Die EU-Gesetzgebung rund um den Digital Markets Act und verwandte Regelungen könnte Druck auf Google ausüben - doch bis solche Mechanismen greifen, werden viele Seiten längst nicht mehr existieren. Das Fenster schließt sich schnell.
Quelle(n)
- Google Search Goes Agentic - and Doesn't Need You Anymore (Wired)
- Google Search as you know it is over (TechCrunch)
- Apparently Google hates us now (Hacker News)
- Google changes its search box (Google Blog)
- Google Search's AI evolution includes more ads (The Verge)
Wow, das ist ja heftig. Ich hab gar nicht mitbekommen, dass Google die Links schon so abschafft und das Gaming-Journalismus-Seiten wie die hier so hart trifft, aber jetzt wo ich das lese macht es total Sinn dass das ein großes Problem ist.
Ich erinnere mich noch, als Google 1998 mit PageRank revolutionär war und die Verlinkung zur Basis des ganzen Systems machte. Es ist ironisch und beängstigend zugleich, dass der Konzern jetzt genau dieses Prinzip abbauen möchte, nur um seine KI-Antworten zu pushen und dabei kleine spezialisierte Communities wie unsere auszuhungern.
Das ist wirklich beängstigend, aber ich frage mich, ob Google das wirklich durchzieht oder ob es massive Gegenreaktionen von Publishers geben wird, die dann letztendlich doch wieder zu mehr Links führen - kennst du noch andere Plattformen, die ähnliche Probleme durch KI-Zusammenfassungen bekommen?