Fünf Milliarden Dollar, 220.000 GPUs und eine Menge Widersprüche
Anthropic hat sich die gesamte Rechenkapazität von Colossus 1 gesichert, dem Supercomputer von SpaceX mit 300 Megawattstunden monatlichem Verbrauch
Der Deal kostet Anthropic rund fünf Milliarden US-Dollar pro Jahr
Claude-Abonnenten im Pro- und Max-Tarif bekommen doppelte Nutzungslimits, das Kontextfenster wurde etwa verzehnfacht
Vor wenigen Monaten bezeichnete Musk Anthropic noch als "menschenfeindlich" - jetzt verdient er an deren Rechenkapazität
Was Anthropic mit dem Deal kauft - und was es dafür zahlt
Anthropic hat sich die gesamte Rechenkapazität von Colossus 1 gesichert. Der Supercomputer wurde ursprünglich zum Training von Musks KI-Chatbot Grok gebaut, liegt inzwischen aber bei SpaceX. Colossus 2 hat das Grok-Training übernommen, Colossus 1 steht jetzt Anthropic zur Verfügung.
Für Claude-Nutzer im Pro- und Max-Tarif sind das konkrete Verbesserungen. Die bisherige Fünf-Stunden-Begrenzung wird verdoppelt. Das Kontextfenster von Claude Opus, also die Menge an Text, die das Modell gleichzeitig verarbeiten kann, ist laut Anthropic um das Zehnfache gestiegen.
Und das ist erst der Anfang. Anthropic plant, rund 100 Milliarden Dollar in weitere Rechenkapazitäten zu stecken - bei Amazon, Google, Broadcom, Microsoft, Nvidia und Fluidstack. Dazu kommt das erklärte Interesse an orbitalen Rechenzentren, die SpaceX mit Solarenergie im All betreiben soll. Das ist eine direkte Kampfansage an OpenAI.
Warum das für Anthropic zum PR-Problem werden könnte
Noch vor wenigen Monaten bezeichnete Elon Musk Anthropic öffentlich als "menschenfeindlich". Jetzt stellt er dem Unternehmen 220.000 GPUs zur Verfügung und kassiert dafür Milliarden. KI-Unternehmer Satvik Paramkusham brachte es auf X auf den Punkt:
"Vor drei Monaten bezeichnete Elon Musk Anthropic noch als menschenfeindlich. Heute übergibt er ihnen alle 220.000 GPUs von Colossus 1. Geschäfte gehen vor Streit. Jedes. Einzelne. Mal."
Das Problem für Anthropic ist, dass das Unternehmen bisher bewusst auf das Image des verantwortungsvollen KI-Anbieters gesetzt hat. Claude wurde als Alternative zu ChatGPT und Grok positioniert. Anthropic hat sich öffentlich dazu bekannt, nur mit demokratischen Akteuren zusammenzuarbeiten.
Musk hingegen ist bekannt für rechtspopulistische Äußerungen, den laschen Umgang mit Hassrede und Desinformation auf X sowie den umstrittenen Einsatz von Starlink als politisches Druckmittel. Mit dem SpaceX-Deal holt sich Anthropic einen Partner, der zu diesen Werten schlicht nicht passt.
OpenAI hat vorgemacht, wie schnell so ein Imageverlust gehen kann - nach dem bekanntgewordenen Deal mit dem US-Militär wanderten viele Nutzer genau zu Claude ab. Das könnte sich nun umkehren. Denn Anthropic füllt mit dem Deal direkt die Kriegskasse eines direkten Konkurrenten: xAI und Grok profitieren davon, dass SpaceX jetzt Milliarden aus dem KI-Markt abschöpft.
Musk selbst hat auf X immerhin Erstaunliches geschrieben: Er habe "viel Zeit mit führenden Mitgliedern des Anthropic-Teams verbracht" und sei beeindruckt gewesen. Bei niemandem habe sein "Böses-Detektor" angeschlagen. Ob das als Vertrauensbeweis oder als bizarres Kompliment zu werten ist, muss jeder selbst entscheiden.
Wer sich für weitere KI-Sicherheitsthemen interessiert: Wir haben zuletzt über eine kritische Sicherheitslücke in Ollama berichtet und darüber, wie KI-Überwachung am Arbeitsplatz dem Gehirn schadet.
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