Wenn ein Flop die ganze Branche nervös macht
Die Enthüllung, dass Highguard heimlich von Tencent mitfinanziert wurde, hat eine Kettenreaktion ausgelöst. Plötzlich fragen sich Spieler: Welche anderen "Indie-Studios" haben ebenfalls verschwiegene Geldgeber? Pocketpair, das Studio hinter dem Überraschungshit Palworld, sah sich nun genötigt, proaktiv zu dementieren.
Kurz & Knapp
- Pocketpairs Publishing-Chef John "Bucky" Buckley stellt klar: Palworld hat keine Investoren
- Die Klarstellung erfolgte als Reaktion auf Online-Spekulationen im Zuge der Highguard-Tencent-Enthüllung
- Buckley betont: "We are 100% independent and self-funded"
- Auch eine angebliche Verbindung zu Game-Awards-Organisator Geoff Keighley wurde dementiert
- Tencents Senior Vice President sitzt im Advisory Board der Game Awards – was Verschwörungstheorien befeuert
Palworld gerät ins Kreuzfeuer
"I didn't expect to see Palworld somehow become involved", schrieb Buckley auf BlueSky. Verständlich – schließlich hat das "Pokémon-with-guns"-Phänomen mit dem Raid-Shooter Highguard absolut nichts zu tun. Außer, dass beide Spiele als Erfolgsgeschichten unabhängiger Studios vermarktet wurden.
Nach der Game-File-Enthüllung, dass Wildlight Entertainment maßgeblich von Tencent finanziert wurde, begannen Teile der Community offenbar, auch andere erfolgreiche "Indie"-Titel unter die Lupe zu nehmen. Palworld, das 2024 aus dem Nichts zum Mega-Hit wurde, geriet dabei ins Visier von Spekulationen.
"Palworld has no investors, no backers, no sponsors. We are 100% independent and self-funded."
Buckleys Statement ist unmissverständlich. Keine versteckten Geldgeber, keine stillen Teilhaber.
Die Game-Awards-Verschwörung
Die Highguard-Kontroverse hat auch eine Verschwörungstheorie befeuert, die tiefer geht. Tencents Senior Vice President Steve Ma sitzt im Advisory Board von Geoff Keighleys Game Awards – neben Vertretern von Nintendo, Microsoft Gaming und anderen Branchengrößen.
Einige Fans zogen daraus den Schluss: Deshalb bekam Highguard den prestigeträchtigen Schluss-Slot bei den TGAs 2025. Ein Tencent-finanziertes Spiel, promoted durch eine Show, in deren Beirat ein Tencent-Manager sitzt.
Ob da tatsächlich Zusammenhänge bestehen oder ob das klassische Korrelations-Kausalitäts-Verwechslung ist, lässt sich von außen nicht beurteilen. Buckley nutzte jedenfalls die Gelegenheit, auch Palworlds Game-Awards-Präsenz zu erklären: Geoff Keighley habe einfach "die Aufregung" um den Launch des Spiels genossen und entsprechend darüber gepostet. Keine Deals, keine Beteiligungen.
Was "Indie" noch bedeutet
Die Highguard-Saga hat eine grundsätzliche Vertrauensfrage aufgeworfen. Wildlight präsentierte sich als unabhängiges Studio mit über 100 Mitarbeitern – finanziert, wie sich herausstellte, von einem der größten Tech-Konzerne der Welt. Die Mitarbeiter sprachen von Tantiemen-Hoffnungen, als wäre es ein Underdog-Projekt.
Diese Diskrepanz zwischen Selbstdarstellung und Realität beschädigt das Vertrauen in die gesamte Indie-Szene. Wenn ein Studio mit Tencent-Backing als "unabhängig" durchgeht, was bedeutet das Label dann noch?
Dass Pocketpair sich jetzt aktiv von solchen Verbindungen distanziert, zeigt, wie weit die Wellen der Highguard-Kontroverse reichen. Ein gescheiterter Raid-Shooter zwingt erfolgreiche Studios zur Transparenz-Offensive.
Die Ironie des Ganzen
Highguard dümpelt bei unter 800 Spielern, die Website ist offline, der Großteil des Teams wurde entlassen. Und trotzdem dominiert das Spiel weiterhin die Gaming-Nachrichten – nur eben nicht so, wie Wildlight es sich vorgestellt hatte.
Statt Gameplay-Guides und Esports-Ankündigungen gibt es Enthüllungen über verschwiegene Investoren und Vertrauenskrisen, die andere Studios zur Schadensbegrenzung zwingen. Das "Reputational damage" erstreckt sich mittlerweile weit über Highguard hinaus.
Quellen
- John "Bucky" Buckley – BlueSky-Statement
- BFcom – Highguard Steam Charts & Spielerzahlen