Das Studio bricht das Schweigen – zumindest im Discord
Nach Tagen der Funkstille gibt es endlich eine Reaktion von Wildlight Entertainment. Nicht über die offiziellen Kanäle, nicht als Statement auf X, sondern als beiläufige Antwort im Discord-Server. Die Kernaussage? Der Reputationsschaden ist eh schon angerichtet.
Kurz & Knapp
- Entwickler "WL_Coronach" erklärt im Discord: Die Website muss transferiert und vereinfacht werden
- Die Reparatur hat aktuell "niedrige Priorität" – der Fokus liegt auf Updates und Content
- Wörtliches Zitat: "Reputational damage already done"
- Das Studio bestätigt damit indirekt das Ausmaß der PR-Katastrophe
- Highguard ist offiziell noch nicht tot – aber das Team scheint selbst nicht mehr an ein Comeback zu glauben
"Low priority" für die eigene Visitenkarte
Auf die Frage eines Community-Mitglieds, was mit der Website passiert sei, antwortete der Wildlight-Entwickler WL_Coronach knapp:
"Not sure on the timeframe, but basically needs to be transferred and simplified. Low priority atm (reputational damage already done). Now we just need to focus on delivering updates and content to improve."
Lass das kurz sacken. Die offizielle Website eines Live-Service-Spiels – die digitale Visitenkarte, der erste Anlaufpunkt für potenzielle neue Spieler – hat niedrige Priorität. Begründung: Der Imageschaden ist sowieso schon passiert.
Das ist keine Durchhalteparole. Das ist keine "Wir kämpfen uns zurück"-Rhetorik. Das ist ein Entwickler, der offen ausspricht, was alle bereits wissen: Highguard hat seinen Ruf verspielt, und eine funktionierende Website wird daran nichts mehr ändern.
Die Prioritäten eines sinkenden Schiffs
Die Aussage, man wolle sich auf "Updates und Content" konzentrieren, klingt erst einmal vernünftig. Ressourcen sind knapp, das Team wurde dezimiert, also fokussiert man sich aufs Wesentliche – das Spiel selbst.
Aber hier liegt das Problem: Ohne Website, ohne aktive Social-Media-Präsenz, ohne Marketing – wie sollen neue Spieler überhaupt erfahren, dass es diese Updates gibt? Die verbliebenen 700-800 Spieler auf Steam werden kaum ausreichen, um das Spiel am Leben zu halten.
Ein Free-to-Play-Titel lebt von konstantem Zustrom neuer Spieler. Wer die eigene Webpräsenz als "low priority" einstuft, hat den Kampf um neue Spieler bereits aufgegeben.
"Reputational damage already done" – Die bittere Wahrheit
Das Zitat fasst die gesamte Highguard-Saga in vier Worten zusammen. Von der kontroversen Game-Awards-Premiere über die Massenentlassungen, den gelöschten Entwickler-Account bis zur Tencent-Enthüllung – jede Woche brachte neue Negativschlagzeilen.
Die Timeline des Desasters:
- Dezember 2025: Game-Awards-Trailer erntet Spott und "Concord 2"-Vergleiche
- 26. Januar 2026: Launch mit 97.000 Spielern – die sich innerhalb von Stunden halbieren
- 12. Februar 2026: Massenentlassungen bei Wildlight
- 13. Februar 2026: Josh Sobel beschuldigt "Gamer-Kultur", löscht später seinen Account
- 17. Februar 2026: Website geht offline, Tencent-Finanzierung wird enthüllt
- 18. Februar 2026: Entwickler bestätigt – Imageschaden ist irreparabel
Dass ein Teammitglied das offen ausspricht, zeugt entweder von bemerkenswerter Ehrlichkeit oder völliger Resignation. Vermutlich beides.
Was bleibt?
Highguard ist technisch noch spielbar. Updates sind angekündigt. Ein "Core Team" arbeitet weiter. Aber wenn selbst die Entwickler nicht mehr daran glauben, dass eine funktionierende Außendarstellung noch etwas bewirken kann, stellt sich die Frage: Für wen wird hier eigentlich noch entwickelt?
Die Antwort von WL_Coronach war vermutlich als Beruhigung gedacht – "Hey, wir arbeiten noch am Spiel!" Stattdessen bestätigt sie, was Beobachter seit Wochen vermuten: Wildlight verwaltet den Niedergang, nicht die Zukunft.
Der Reputationsschaden ist angerichtet. Die Website kann warten. Die Frage ist nur noch, wie lange das Spiel selbst noch wartet, bevor der unvermeidliche "Thank you for playing"-Post kommt.
Quellen