Ein innovativer Gameplay-Loop im Schatten der Kritik
Highguard wirft Teams in ein unkonventionelles 3v3-Format, in dem es nicht nur um reine Abschüsse geht. Zu Beginn einer Partie wählen die Spieler einen von 8 verfügbaren Wardens – Helden mit individuellen Fähigkeiten wie dem frostigen Kai oder dem blitzschwingenden Atticus – und verschanzen sich in einer von sechs verschiedenen Basen.
Das Ziel ist ein strategisches Tauziehen: Während man auf dem Rücken von Bären, Katzen oder Pferden die weitläufige Karte nach Ressourcen absucht, kämpfen beide Teams um den „Shieldbreaker“. Dieses Artefakt ist der Schlüssel, um die Schilde der gegnerischen Festung zu durchbrechen, Generatoren zu sprengen und schlussendlich den Sieg zu erringen.
Doch genau hier setzen die ersten massiven Kritiken an. Viele Spieler empfinden die fünf zum Launch verfügbaren Karten als viel zu groß für die geringe Spieleranzahl von nur sechs Personen pro Match. Was als spannende Erkundung geplant war, entpuppt sich für viele Rezensenten als langatmig und leer. In Kombination mit einer mangelhaften Optimierung, die selbst modernste Hardware in die Knie zwingt, und einem umstrittenen Kernel-Level-Anti-Cheat, hagelt es auf Steam derzeit vernichtende Bewertungen: Mit einer positiven Rate von nur knapp 30 % wird das Spiel als „Größtenteils Negativ“ eingestuft.
Faire Monetarisierung als moralischer Anker
Trotz des spielerischen Gegenwinds hält Wildlight an einer bemerkenswert fairen Geschäftsphilosophie fest. Die Entwickler verfolgen einen strikten „No FOMO“-Ansatz. Das bedeutet: Keine Lootboxen, keine spielentscheidenden Pay-to-Win-Vorteile und keine aggressiven Pop-up-Werbeanzeigen, die den Spielfluss stören. Der In-Game-Shop konzentriert sich rein auf kosmetische Gegenstände zum Direktkauf.
Man wolle die Spieler „einfach in Ruhe lassen“, bis sie von sich aus den Shop besuchen möchten, so die Verantwortlichen. Diese Transparenz spiegelt sich auch in der Roadmap für 2026 wider, die verspricht, dass alle spielrelevanten Erweiterungen – wie die sechs geplanten neuen Wardens, zusätzliche Maps und Waffen – für die gesamte Community kostenlos bleiben werden.
Die nackten Zahlen
Die anfängliche Neugier der Gaming-Welt war zweifellos vorhanden. Kurz nach dem Start erreichte Highguard auf Steam einen beachtlichen Peak von fast 98.000 gleichzeitig aktiven Spielern. Dieser Erfolg war jedoch von kurzer Dauer. Innerhalb weniger Stunden stürzten die Nutzerzahlen um über 80 % ab und pendelten sich bei etwa 10.000 Spielern ein. Fachmedien bezeichnen diesen Rückgang als anomal schnell für einen namhaften Hero-Shooter.
Die Studioleitung reagiert derweil besonnen, wenn auch selbstkritisch. CEO Dusty Welch räumte ein, dass das Marketing – insbesondere der Trailer bei den Game Awards 2025 – den eigentlichen Kern des Spiels nicht ausreichend transportiert habe. Gleichzeitig betont das Team, dass man kein Millionen-Publikum benötige, um erfolgreich zu sein. Man setze auf eine treue Kern-Community, die man durch die zweimonatlich erscheinenden Episoden der Roadmap langfristig binden möchte.
Ob dieser Plan aufgeht oder ob Highguard als das erste Sorgenkind des Jahres 2026 in die Geschichte eingeht, werden die kommenden Wochen zeigen, wenn im Februar mit Episode 2 der erste große Härtetest inklusive Ranked-Modus ansteht.