Discord zieht die Reißleine – vorerst
Die Kontroverse um Discords Altersverifikation hat ein neues Kapitel erreicht. Nachdem öffentlich wurde, dass einige britische Nutzer über Persona verifiziert wurden – einen Anbieter mit direkter Finanzierung durch Peter Thiels Founders Fund – hat Discord reagiert.
Kurz & Knapp
- Discord bestätigt gegenüber Kotaku: Die Zusammenarbeit mit Persona war ein „limitierter Test", der mittlerweile beendet ist
- Persona wird von Peter Thiels Founders Fund finanziert – Thiel ist Mitgründer der Überwachungsfirma Palantir
- Palantir entwickelt aktuell Tools für ICE-Deportationsoperationen in den USA
- Wie Discord die globale Altersverifikation ab März technisch umsetzen will, bleibt offen
Von „Experiment" zu „beendet" in wenigen Tagen
Noch vor einer Woche tauchte Persona in Discords offizieller Support-Dokumentation als „Experiment" für UK-Nutzer auf. Die Daten sollten bis zu sieben Tage gespeichert werden – ein deutlicher Unterschied zu den Versprechen rund um k-ID, bei dem Gesichtsscans angeblich das Gerät nie verlassen.
Jetzt die Kehrtwende: Auf Anfrage von Kotaku erklärte Discord, die Arbeit mit Persona sei Teil eines „limitierten Tests" gewesen, der „bereits abgeschlossen" sei.
Was Discord nicht erklärt: Warum der Test überhaupt stattfand, welche Daten erhoben wurden und ob diese tatsächlich gelöscht sind.
Das Timing ist auffällig. Die Berichterstattung über die Thiel-Connection begann am Donnerstag. Discords Statement kam am Freitag.
Warum Persona problematisch ist
Persona wurde 2018 gegründet, wird mit 1,5 Milliarden Dollar bewertet und zählt Reddit und Roblox zu seinen Kunden. In Illinois laufen Sammelklagen gegen das Unternehmen wegen angeblich unrechtmäßiger Speicherung biometrischer Daten.
Der Hauptinvestor: Peter Thiels Founders Fund. Thiel ist vielen als Palantir-Mitgründer bekannt – jenes Unternehmen, das US-Behörden wie ICE mit Überwachungssoftware beliefert. Aktuell entwickelt Palantir ein Tool namens ELITE, das potenzielle Deportationsziele auf Karten visualisiert und Dossiers zu Einzelpersonen erstellt. Die Datenquellen reichen bis zu Medicaid-Informationen.
Ob die Verbindung zwischen Altersverifikation und Überwachungsinfrastruktur relevant ist, muss jeder selbst bewerten.
Was bedeutet das für den März-Rollout?
Discord hat angekündigt, ab März weltweit die „Teen-by-Default"-Einstellung zu aktivieren. Alle Accounts werden standardmäßig als minderjährig behandelt. Die Verifikation erfolgt per Gesichtsscan, Ausweis-Upload oder automatisch durch ein KI-Modell.
Die Plattform hat nicht erklärt, welchen Anbieter sie nach dem Ende des Persona-Tests für die globale Verifikation nutzen wird.
k-ID bleibt vermutlich der Hauptpartner. Allerdings wurde dessen System bereits erfolgreich umgangen – mit virtuellen Kameras und 3D-Gesichtsmodellen. Ob Discord deshalb nach Alternativen suchte, liegt nahe, wurde aber nie bestätigt.
Das grundsätzliche Problem bleibt
Discords schnelle Reaktion zeigt, dass öffentlicher Druck wirkt. Das ändert aber nichts am Kernproblem: Jede Altersverifikation erzeugt Datenbanken. Und Datenbanken werden gehackt, verkauft oder von Behörden angefordert.
Wer heute sein Gesicht scannt, um auf einen Call-of-Duty-Server zu kommen, sollte sich fragen, wohin diese Daten morgen wandern. Persona hat gezeigt, dass „vertrauenswürdiger Partner" ein dehnbarer Begriff ist.
Vergleich k-ID vs. Persona
| Aspekt | k-ID | Persona |
|---|---|---|
| Discord-Status | Hauptpartner | Test beendet |
| Datenspeicherung | Angeblich lokal | Bis zu 7 Tage |
| Laufende Klagen | Keine bekannt | Sammelklagen in Illinois |
| Andere Kunden | Unklar | Reddit, Roblox |