Was bei Discord gerade abgeht
Die Ankündigung der weltweiten Altersverifikation hat Discord bereits ordentlich Gegenwind eingebracht. Jetzt kommt ein Detail ans Licht, das die Sache nicht besser macht – eher im Gegenteil.
Kurz & Knapp
- Ab März 2026 behandelt Discord alle Accounts standardmäßig als Teenager-Konten – auch deinen 10 Jahre alten Account
- Ohne Verifikation per Gesichtsscan oder Ausweis: kein Zugang zu 18+ Servern, eingeschränkte DMs, Content-Filter auf Maximum
- In UK experimentiert Discord mit Persona – einem Anbieter, dessen Hauptinvestor Peter Thiel heißt (ja, der Palantir-Typ)
- Persona speichert eure Daten bis zu 7 Tage, während der bisherige Partner k-ID alles lokal verarbeiten sollte
- Gegen Persona laufen Sammelklagen wegen angeblich illegaler Speicherung biometrischer Daten
Persona statt k-ID: Aus dem Regen in die Traufe
Discord hatte versprochen, dass Video-Selfies zur Altersschätzung niemals das eigene Gerät verlassen. Klingt erstmal solide. Das Problem: In Großbritannien taucht bei einigen Nutzern plötzlich nicht mehr k-ID auf, sondern Persona – ein völlig anderer Anbieter mit völlig anderen Datenschutzpraktiken.
Discords eigene Support-Seite bestätigt mittlerweile: UK-Nutzer können Teil eines „Experiments" sein, bei dem Persona die Verifikation übernimmt. Der feine Unterschied? Persona speichert übermittelte Daten bis zu sieben Tage. Bei k-ID sollte theoretisch nichts hochgeladen werden.
Warum der Wechsel? Vermutlich, weil k-IDs System innerhalb von Tagen nach der Ankündigung geknackt wurde. Die Community bastelte Browser-Tools mit 3D-Gesichtsmodellen, die das System austricksen – teilweise reichte schon ein virtueller Kamera-Feed.
Wer zur Hölle ist Peter Thiel?
Falls der Name nichts sagt: Peter Thiel ist Milliardär, PayPal-Mitgründer und – hier wird's relevant – Mitgründer von Palantir.
Palantir ist jenes Unternehmen, das US-Behörden wie ICE (Immigration and Customs Enforcement) mit Überwachungstechnologie beliefert. Die Software hilft unter anderem dabei, Migranten zu tracken und Datenbanken über US-Bürger anzulegen. Der Name ist übrigens eine Herr-der-Ringe-Referenz – die sehenden Steine, mit denen Sauron alles überwacht. Subtil.
Thiels Founders Fund hat 2025 rund 200 Millionen Dollar in Persona investiert. Derselbe Thiel, der 2009 schrieb: „Ich glaube nicht mehr, dass Freiheit und Demokratie vereinbar sind."
Die Verbindungslinie: Ein Unternehmen aus dem Thiel-Netzwerk bekommt potenziell Zugriff auf eure Gesichtsscans und Ausweisfotos. Fühlt sich das komisch an? Ja. Sollte es auch.
Persona hat selbst Dreck am Stecken
Unabhängig von der Thiel-Connection: Gegen Persona laufen in Illinois Sammelklagen. Der Vorwurf: Das Unternehmen soll biometrische Daten von Lieferfahrern unrechtmäßig gespeichert und Kunden-Selfies zum Training von KI-Modellen verwendet haben. Persona bestreitet das.
Reddit nutzt Persona (siehe Support Artikel) übrigens bereits zur Altersverifikation. Dort berichten Nutzer, dass sich das System mit virtuellen Kameras und – kein Witz – dem Fotomodus von Videospielen umgehen lässt. Ob Discord das weiß, bevor sie Persona auf ihre gesamte Nutzerbasis loslassen?
Was ändert sich ab März konkret?
Der „Teen-by-Default"-Modus trifft jeden Account. Egal, ob du Discord seit 2016 nutzt oder gestern beigetreten bist. Ohne Verifikation:
- Kein Zugang zu 18+ Servern – das betrifft auch Communitys zu Call of Duty, Battlefield, GTA oder anderen Spielen mit USK-18-Freigabe
- DMs von Fremden landen im Spam-Ordner – und du kannst die Einstellung nicht ändern
- Sensible Medien werden gefiltert – auch gezeichnete Inhalte
- Kein Sprechen in Stage-Channels
Discord beschwichtigt: Die meisten Erwachsenen müssten gar nichts tun. Das hauseigene Altersschätzungsmodell analysiert Kontodaten, Aktivitätsmuster und Account-Alter. Nur wer nicht eindeutig als erwachsen erkannt wird, muss ran.
Die Realität sieht anders aus. Nutzer aus bisherigen Testläufen berichten, dass ihnen ausschließlich Video-Selfie oder Ausweis-Upload angeboten wurden. Keine sanfte „Wir kennen dich schon"-Lösung.
Das Datenleck von 2025: Haben wir schon vergessen?
Im Oktober 2025 wurden bei einem Discord-Verifikationspartner Daten geleakt. Die Hackergruppe Scattered LAPSUS$ Hunters behauptete, 1,5 Terabyte an Verifikationsbildern erbeutet zu haben – über zwei Millionen Dateien.
Discord dementierte die Zahl, gab aber zu: Rund 70.000 Nutzer waren betroffen. Namen, E-Mails, teilweise Kreditkartendaten und IP-Adressen inklusive. Der Vendor wurde gewechselt, Sicherheitsmaßnahmen verstärkt.
Und jetzt sollen wir unsere Ausweise an den nächsten Drittanbieter schicken? Einen mit laufenden Klagen wegen Datenmissbrauchs? Vertrauensbildende Maßnahmen sehen anders aus.
Die Community reagiert – vorhersehbar
Unter Discords Ankündigung auf X haben Nutzer direkt als Community-Note hinzugefügt, dass das Sammeln sensibler Daten das Risiko von Datenmissbrauch erhöht. Die EFF (Electronic Frontier Foundation) kritisiert, Discord hätte keinen Grund, freiwillig vorauseilend Gesetzen nachzukommen, anstatt für seine Nutzer einzustehen.
In diversen Foren wird nach Alternativen gesucht. TeamSpeak erlebt ein kleines Revival in den Diskussionen – auch wenn die Plattform mittlerweile wenig mit Discord gemein hat. Matrix und andere dezentrale Lösungen tauchen ebenfalls auf.
Teen Council: Discords PR-Antwort
Parallel kündigt Discord einen Teen Council an – zehn bis zwölf US-Jugendliche zwischen 13 und 17, die das Unternehmen bei jugendrelevanten Features beraten sollen. Mit elterlicher Zustimmung, versteht sich.
Ob dieser Beirat tatsächlich Mitspracherecht bei Datenschutzentscheidungen bekommt oder primär als Feigenblatt dient? Schwer zu sagen. Der Zeitpunkt der Ankündigung – parallel zur umstrittenen Verifikation – wirkt zumindest taktisch.
Was bleibt: Ein ungutes Gefühl
Jugendschutz ist kein schlechtes Ziel. Die Frage ist, ob der Weg dahin sinnvoll ist – und wer am Ende profitiert.
Discord baut gerade eine Infrastruktur für biometrische Identitätserfassung auf. Dass ausgerechnet ein Anbieter aus dem Umfeld von Peter Thiel Teil dieser Infrastruktur werden könnte, macht die Sache nicht appetitlicher.
Thiels Name tauchte übrigens mehr als 2.200 Mal in den kürzlich veröffentlichten Epstein-Dokumenten auf – koordinierte Treffen über Jahre hinweg. Ewww.
Muss das alles zusammenhängen? Nein. Fühlt sich die Gesamtsituation trotzdem merkwürdig an? Absolut.
k-ID vs. Persona – Wo landen eure Daten?
| Aspekt | k-ID | Persona |
|---|---|---|
| Gesichtsscan-Verarbeitung | Lokal auf dem Gerät | Unklar, potenziell serverbasiert |
| Datenspeicherung | Angeblich keine | Bis zu 7 Tage |
| Hauptinvestor | Nicht öffentlich bekannt | Peter Thiels Founders Fund |
| Laufende Klagen | Keine bekannt | Sammelklagen in Illinois |
Wer seine Daten schützen will, sollte die Entwicklung im Auge behalten. Oder Alternativen wie IRC oder TeamSpeak ausprobieren.